Der posthypnotische Trigger im experimentellen und klinischen Setting

In diesem Artikel  wird der sog. posthypnotische “Trigger” (“Schlüsselreize”, “Auslöser”) beleuchtet, und zwar in den Formen, in denen er im experimentellen wie auch klinischen Kontext Anwendung findet. Es wird dabei die Überzeugung vertreten, dass Trigger in diesen beiden Settings recht verschieden sind, und der Versuch wird unternommen, allgemeine Kennzeichen von (post)hypnotischen Auslösern herauszustellen. Im Weiteren werden aber auch einige Praxis-Tipps gegeben.

Der Artikel setzt bereits Grundkenntnisse der Hypnose voraus (zu einige Grundinformationen siehe z.B. meinen Einführungsartikel und weitere Artikel dieses Blogs). Besondere Fachkenntnisse sind ansonsten nicht notwendig. Im Literaturverzeichnis konnte ich einige Links zu Online-Texten unterbringen, auf die ich die Leser ausdrücklich hinweisen möchte.

Vorwort

Hauptthema dieses Artikels ist – die Überschrift besagt es bereits – der (post)hypnotische Trigger. Nun ist der Begriff “Trigger” in der Psychologie nicht einheitlich definiert, und “Trigger” oder ähnliche Bezeichnungen (wie “Schlüsselreiz”) besitzen innerhalb verschiedener Kontexte verschiedene Bedeutungen. Entsprechende Konzepte finden sich unter verschiedenen Bezeichnungen etwa im Zusammenhang mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Phobien, Konditionierungen und Modellen der kognitiven Informationsverarbeitung und Verhaltenskontrolle.

Es stellt sich daher die Frage, in welcher Beziehung speziell hypnotische Trigger zu den Konzepten der allgemeinen oder “normalen” Psychologie stehen: Was sind hypnotische Trigger, wie “funktionieren” sie? Darum soll es hier gehen.

Dabei mache ich eine Unterscheidung, die es m.W. in dieser Form bisher so noch nicht gibt: Es wird unterschieden zwischen dem (post)hypnotischen Trigger, wie er typischerweise im experimentellen Setting eingesetzt wird und demjenigen, der typischerweise im klinischen Kontext Anwendung findet. Beide scheinen mir durchaus in wesentlicher Hinsicht verschieden zu sein; eine Überzeugung, die ich näher ausführen werde. Zudem sollen auch einige praktisch-technische Hinweise zum Thema gegeben werden.

Einführung

Bei der posthypnotischen Suggestion (PHS) wird dem Probanden die Suggestion gegeben, dass er (auch) nach Beendigung der Hypnose etwas tun oder erleben wird. Prinzipiell kann alles, was während der Hypnose erfolgreich suggeriert zu werden vermag, auch posthypnotisch evoziert werden. Zu unterscheiden sind grob zwei Formen der PHS:

a) Einige posthypnotische Suggestionen sind von sehr allgemein Natur: So etwa die Suggestion, dass jemandem das Abnehmen leichter fällt oder er besser mit beruflichem Stress zurechtkommt. Der Hypnotisierte wird hier erst einmal nicht aufgefordert, etwas Bestimmtes und Konkretes “zu tun“. Solche posthypnotischen Suggestionen ähneln stark Affirmationen, und  sie dürften wohl nur begrenzt mit hypnotischer Suggestibilität zusammenhängen (Heap 2011, Heap & Aravind, 2002). Diese Art von Suggestion scheint noch wenig untersucht und verstanden zu sein, obwohl sie in Therapie und Medizin zweifellos eine bedeutende Rolle spielen kann.

b) Bei der zweiten Art der posthypnotischen Suggestion werden genaue Aufträge erteilt, die festlegen, wann der Hypnotisand was “zu tun” hat. So kann ihm beispielsweise aufgetragen werden, am nächsten Tag um diese und jene Uhrzeit den Hypnotiseur zu besuchen, fünf Minuten nach der Hypnose ein Kaninchen zu halluzinieren oder jedes mal zu husten, wenn er das Wort “Suggestion” hört. In all diesen Fällen haben wir es im weiteren Sinne mit “Aktionen” zu tun.

Diese zweite Art von posthypnotischer Suggestion hängt mit der hypnotischen Suggestibilität (“Tiefe”) zusammen, und hier haben wir es mit posthypnotischen Suggestionen im engeren Sinne zu tun, von manchen Autoren auch als “ephypnotische Suggestionen” bezeichnet.

Dass die posthypnotischen Suggestionen des Typus a) und b) nur bedingt zusammenhängen, wird bereits durch die seit den Anfangszeiten der Hypnose überlieferte Tatsache ersichtlich, dass selbst Personen, die nach klassischer Einteilung nur sehr “leicht” oder gar nicht hypnotisiert sind, manchmal herausragend auf therapeutische Suggestionen reagieren; allgemein hängen Therapieerfolg und hypnotische Suggestibilität übrigens nur in eher bescheidenem Maße zusammen.

Nur um die zweite Art der posthypnotischen Suggestion, diejenige im engeren Sinne, soll es uns in diesem Artikel gehen, denn das Thema ist ja der posthypnotische Trigger, und der basiert auf dieser zweiten, spezifischeren Form der posthypnotischen Suggestion, bei der dem Hypnotisanden ein festgelegtes, konkretes Reagieren aufgetragen wird.

Damit wären wir beim Thema: Manchmal wird eine posthypnotische Suggestion (PHS) an einen sog. “Trigger” gekoppelt (auch als “posthypnotischer Auslöser”, “Schlüsselreiz”, “Anker”, “posthypnotisches Signal” bezeichnet). “Trigger” ist das englische Wort für “Auslöser” oder “Abzugshebel”, insbesondere bei Feuerwaffen.

Ein “Trigger” im übertragenen hypnotischen Sinne kann etwa darin bestehen, dass der Proband als Reaktion darauf, dass etwas Bestimmtes passiert – wobei das “Bestimmte” hier der Trigger wäre – , nun etwas zuvor Aufgetragenes erleben oder tun soll. Ein Beispiel dafür wäre die Suggestion “Jedes mal, wenn Du das Wort ‘Experiment’ hörst, fasst Du Dir ans linke Ohr”. In diesem Fall wäre das Wort “Experiment” der posthypnotischer Trigger/Auslöser/Schlüsselreiz. (Der Begriff “Anker” hat in der Psychologie eigentlich eine andere Bedeutung, aber da er in Hypnose, NLP und verwandten Techniken im gleichen Sinne wie Trigger gebraucht wird, wollen wir uns diesem Sprachgebrauch hier anschließen.)

Das Reagieren auf eine posthypnotische Suggestion (oder einen Trigger) wird oft als unwillkürlich und “automatisch” erlebt, auch wenn die Dinge hier etwas anders liegen, als es auf den ersten Blick den Anschein hat, wie wir noch sehen werden. Es lohnt sich, erst einmal einen kurzen Blick auf psychologische “Trigger” im Allgemeinen zu werfen, bevor wir uns der posthypnotischen Suggestion und dem posthypnotischen Trigger genauer zuwenden.

“Trigger” ganz allgemein

Ein “Trigger” wäre naheliegenderweise  jeder Stimulus (oder jede Menge von Stimuli), der geeignet ein, ein spezifisches, dem Trigger zugeordnetes Verhalten (oder Erleben) auszulösen. Dies dürfte wohl der allgemeinste noch sinnvoll zu gebrauchende Begriff eines “Auslösers” sein.

Ein weiteres wichtiges Konzept, auf das wir rekurrieren müssen,  ist das der Automatizität: Der Begriff “automatisch” soll im Folgenden in einem relativ weiten Sinne verstanden werden: Alle Aktivitäten, die keine oder kaum Aufmerksamkeit verbrauchen, sollen als “automatisch” bezeichnet werden; dabei spielt es auch keine Rolle, ob “Aufmerksamkeit” bewusster oder unbewusster Natur ist. Auch Reaktionen und Tätigkeiten, die der willentlichen Kontrolle unterstehen, aber keine oder kaum Aufmerksamkeit erfordern, sind in diesem weiten Sinne “automatisch” bzw. “quasi-automatisch”. In der hier verwendeten Terminologie werden Prozesse, die kaum/keine Aufmerksamkeit verbrauchen und zudem unkontrollierbar sind, “völlig automatisch” genannt, während solche, die kaum Aufmerksamkeit beanspruchen, aber willentlich kontrollierbar sind, als  “quasi-automatisch” bezeichnet werden.

Es existieren nun verschiedene Reaktionen, deren Steuerung völlig ohne Absicht und Aufmerksamkeit geschieht und die nicht willentlich kontrollierbar sind. Wenn beispielsweise etwas unvorbereitet auf unser Gesicht zurast, schließen wir automatisch (reflexhaft) die Augen. Und wenn wir  ein einzelnes vertrautes und kurzes Wort vor uns sehen, etwa “STOP”, dann können wir praktisch nicht anders, als es zu lesen, jedenfalls wenn wir einigermaßen geübte Leser sind und keine Zeit hatten, uns vorzubereiten und abzulenken.

Jedoch existieren auch viele Tätigkeiten, von uns hier als “quasi-automatisch” bezeichnet, die zwar ebenfalls wenig Aufmerksamkeit beanspruchen und oft  keine (größere) bewusste Komponente beinhalten, jedoch unserer willentlichen Kontrolle unterstehen und mit unseren Absichten übereinstimmen: Während das Lesen eines bekannten kurzen Wortes praktisch kaum kontrollierbar ist, jedenfalls nicht ohne Vorbereitung, ist die Lektüre eines längeren Textes natürlich der willentlichen Kontrolle untergeordnet. Wir lesen nur, wenn wir lesen wollen. Anders aber als ein Erstklässler, der mühsam Buchstabe an Buchstabe reiht,  braucht der geübte Leser  gewöhnlich wenig Aufmerksamkeit für den technischen Prozess des Lesens an sich, denn der ist automatisiert; deswegen kann die Aufmerksamkeit auch auf andere Dinge, insbesondere auf den Inhalt der Lektüre, gerichtet werden.

In solchen Fällen haben wir zwar ein ausdrückliches oder vielleicht auch eher “laterales” Bewusstsein von dem, was wir tun, und doch führen wir die Tätigkeit selbst nicht bewusst aus. Wenn wir gehe, sind wir uns gewöhnlich irgendwie bewusst, dass wir gehen. Aber wir planen und steuern das Gehen nicht oder kaum bewusst, jedenfalls im Regelfall nicht:  Wenn wir beispielsweise irgendwo langgehen, so müssen wir nicht bei jedem Schritt nachdenken, wie wir ihn setzen oder wie wir etwa den Fuß abrollen. Dennoch ist das Gehen unter normalen Bedingungen aner natürlich willentlich kontrollierbar. Klassische Beispiele sind natürlich auch Fahrrad- und Autofahren: Während der Anfänger viel Aufmerksamkeit für jeden einzelnen Schritt des Prozesses aufwenden muss,  kommt es im Lauf der Zeit zu einer Automatisierung: Außer bei schwierigeren Verkehrsverhältnissen wird für einen gut bekannten Weg oft kaum noch Aufmerksamkeit gebraucht, weswegen man sich auf andere Tätigkeiten wie ein Gespräch mit dem Beifahrer konzentrieren kann. Natürlich können wir auch ganz bewusst und aufmerksam automatisierten Prozesse ausführen, jedoch ist das nicht notwendig und manchmal sogar eher störend: Viele Leute, die ganz bewusst über jeden Schritt beim Binden einer Krawatte oder jeden Tastendruck beim Spielen des Klaviers nachdenken, werden dadurch eher in ihrer Fähigkeit beeinträchtigt.

Dass wir viele in so einem Sinne automatische Verhaltensweisen nicht als “automatisch” erleben hat wohl auch damit zu tun, dass sie mit unseren Absichten übereinstimmen. Erst dann, wenn wir uns vorgenommen haben, eine bestimmte Sache anders als gewohnt zu handhaben und dann doch der Gewohnheit folgen, kommt uns das “Automatische” von solchem Verhalten manchmal  zu Bewusstsein. Wenn jemand bei der Heimfahrt von der Arbeit jeden Tag bei der Kreuzung links abbiegen muss, an diesem einen Tag aber jemanden besuchen will und daher geradeaus fahren müsste, sich dann aber erwischt, wie er aufgrund fehlender Aufmerksamkeit eben doch wieder  ganz “automatisch” und ohne Nachdenken links abgebogen ist, wird ihm der springende Punkt vielleicht klar.

(Wir haben hier nur grob zwischen “völlig automatischem” und “quasi-automatischem” Verhalten unterschieden. Weitere Differenzierungen von automatischen Verhaltensweisen wären möglich,  etwa zwischen angeborenen Auslösermechanismen und erworbenen “automatischen” Reaktionen; oder zwischen Reaktion, die man notfalls unterdrücken kann, etwa durch Ablenkung, und solchen, bei denen das nicht möglich ist; oder zwischen sehr einfachen und komplexeren automatischen Vorgängen, usw. Das soll uns hier aber nicht weiter interessieren.)

Nach den Erkenntnissen der kognitiven und Neuropsychologen existieren nun verschiedene “Systeme” in der menschlichen Psyche, die das Verhalten steuern und kontrollieren:

“Automatisches” Verhalten, das kaum Aufmerksamkeit benötigt  – egal ob “völlig automatisches” oder “quasi-automatisches”- wird durch sog. untergeordnete psychische Kontrollsysteme überwacht und ausgeführt. Solche untergeordneten Systeme verbrauchen nicht nur wenig oder keine Aufmerksamkeit, sondern können auch parallel arbeiten, also verschiedene Aktionen gleichzeitig ausführen. Entsprechende Prozesse sind also “effizient”, haben jedoch den Nachteil, dass sie für die Bewältigung von neuem und schwierigem Verhalten nicht ausreichen. Tätigkeiten wie das Reagieren auf eine neue Situation, das Unterdrücken von Routine-Verhalten, abstraktes Denken, Planen und ähnliche anspruchsvolle Prozesse bedürfen deswegen einer besonderen Aufmerksamkeit und sind nicht automatisch im genannten Sinne. Für solche Aufgaben steht stattdessen das sog. “exekutive Kontrollsystem” bereit, die höchste Form der psychischen Verhaltenskontrolle, die oft, wenn auch nicht immer, bewusst arbeitet. (Man beachte diesen Punkt: Es ist wichtig, dass das exekutive System auch unbewusst arbeiten kann.) Dieses System wirkt nicht direkt auf das Verhalten ein, sondern dadurch, dass es die entsprechenden untergeordneten Kontrollsysteme aktiviert oder hemmt. Sein Nachteil besteht darin, dass es relativ langsam und nicht parallel, sondern seriell arbeitet, also eine Aufgabe nach der anderen erledigen muss. (Siehe insbesondere auch den Artikel “Exekutive Kontrolle“.)

Mit den getroffenen Unterscheidungen im Hinterkopf sollen im Folgenden mögliche “Trigger” grob (und vereinfachend) in drei verschiedene Kategorien von Typen eingeteilt werden:

Typ 1: Völlig automatische Trigger: Auslöser, die zu einer nicht/kaum direkt kontrollierbaren Reaktion führen. Wenn plötzlich etwas auf unser Gesicht zurast, schließen wir instinktiv die Augen. Ein weiteres Beispiel könnte das Hören einer Melodie sein, die uns an ein intensives Erlebnis erinnert und Gefühle oder Bilder in uns auslöst. Auch im Bereich des Pathologischen spielen verschiedene “Auslöser” dieser Art eine Rolle, wobei auch eine Situationen in gewissem Sinne ein “Trigger” sein kann: Bei Klaustrophobikern beispielsweise kann räumliche Beengung zu intensiver Angst führen,  und bei Patienten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung kann eine Kleinigkeit wie ein Geruch ausreichen, damit sie ein intensives Flashback eines Traumas erlebt. (Das Flashback zieht natürlich die Aufmerksamkeit der jeweiligen Person intensiv auf sich. Aber die Erzeugung des Flashbacks an sich und die Steuerung seines Ablaufs sind nicht nur kaum kontrollierbar, sondern geschehen offenbar auch ohne Aufmerksamkeits-Ressourcen  durch die exekutive Kontrolle (z.B. Zuber, o.J.). Der Trigger löst in solchen Fällen eine ganze Sequenz an Erinnerungen aus, die den Betroffenen überfluten.)

Ein weiteres Beispiel, das wir bereits genannt haben, wären bestimmte automatisch gesteuerte Wahrnehmungsprozesse wie das automatisierte und kaum zu unterdrückende Lesen eines einzelnen Wortes. Das Wort selbst wäre hier der Trigger, die automatische Reaktion das Lesen. (Der hier beschriebene Typus 1 des Triggers ist sehr allgemein und könnte weiter unterteilt werden, aber diese Ausführungen reichen für unsere Absicht.)

Typ 2: Quasi-automatische Trigger: Trigger, die relativ automatisch (ohne viel Aufmerksamkeit) wirken, bei denen der ausgelöste Prozess aber direkt kontrollierbar und gewöhnlich auch irgendwie intendiert ist. Ein Beispiel wäre der Büro-Angestellte, der beim Klingeln “ganz automatisch” nach dem Telefon greift und ebenfalls ohne Nachdenken seinen Namen und den der Firma nennt. Der Prozess ist prinzipiell kontrollierbar/vermeidbar, jedenfalls, wenn unser Angestellter konzentriert und geistesgegenwärtig ist. Ebenfalls kann eine rote Ampel einen “Trigger” darstellen, der den Autofahrer zum Stopp veranlasst, und das eine eher automatische oder “instinktive” Weise; das Anhalten passiert gewöhnlich ohne viel Aufmerksamkeit, Überlegung oder durchdachte Entscheidung.

Bei solchen Beispielen lässt sich sicher sagen, dass die Handlungen dort in einem gewissen Sinne jedenfalls ziemlich “automatisch” ablaufen, dass wir aber dennoch die willentliche Kontrolle über die jeweilige Reaktion ausüben. Die Theorie dahinter ist, dass das Klingeln des Telefons und das Leuchten der roter Ampel nicht die höheren “exekutiven” Funktionen der Psyche ansprechen müssen, sondern direkt und unmittelbar untergeordnete Kontrollsysteme aktivieren, die dann das entsprechende Verhalten initiieren und regulieren, wobei diese untergeordneten Systeme jedoch willentlich durch das Exekutive System beeinflussbar bleiben: Man kann ja sich beispielsweise entscheiden, bei Rot doch noch Gas geben, um gerade noch über die Ampel zu kommen, auch wenn das vielleicht keine kluge Entscheidung sein mag. (Siehe zu Kontrollsystemen und Triggern insbes. auch Greif, 2000, wobei die benutzte Terminologie sich von der unseren teilweise unterscheidet. SAS (bei Greif) = exekutive Kontrolle (bei uns); Schemata (bei Greif) = untergeordnete Kontrollsysteme (bei uns).)

Typ 3: “Exekutive” Trigger: Auslöser, die nicht zu einer automatischen, sondern einer zielgerichteten Reaktion führen, die exekutive Kontrolle involviert. In einem sehr weiten Sinne kann man auch Ereignisse oder Stimuli, die jemanden an etwas erinnern oder sie über etwas informieren, als “Trigger” bezeichnen, auch wenn sie nicht zu einer automatisierten Reaktion führen. Solche Auslöser informieren die entsprechende Person gewissermaßen über etwas, und sie reagiert dann überlegt und planvoll. Nehmen wir beispielsweise an, dass jemand sich den klassischen Knoten in sein Taschentuch macht, um sich beispielsweise daran zu erinnern, dass er einen schwierigen Geschäftsbrief schreiben will. Das Auslösen der Erinnerung selbst geschieht zwar “automatisch”, aber das eigentliche intendierte Ziel, das Schreiben des Briefes, erfordert Aufmerksamkeit, willentliche Entscheidungen und geschieht, anders als das Abnehmen des Telefonhörers, nicht “automatisch”. “Trigger” nach Typ 3 sind also nur in einem weiten und abgeleiteten Sinne “Trigger”, und das Verhalten, das sie auslösen, ist nicht “automatisch”. (Deswegen auch der sehr allgemeine Trigger-Begriff, den wir oben eingeführt hatten. Wir brauchen ihn aber, denn die meisten posthypnotischen Trigger sind genau dieser Art, auch wenn diese Behauptung im ersten Moment geradezu als abwegig erscheinen mag und einer guten Begründung bedarf.)

Wie wir sehen, existieren also die verschiedensten Arten von “Auslösern” oder “Triggern” für verschiedene Typen von Reaktionen. Dass diese Klassifikation grob ist und beispielsweise die Übergänge zwischen den einzelnen Typen fließend sind, versteht sich sicher von selbst. Was bedeutet das alles nun für den posthypnotischen Trigger? Welcher Kategorie gehört er am ehesten an? Auf den ersten Blick wäre es  verführerisch, in ihm einen Auslöser des Typ 1 sehen zu wollen, also einen Trigger, der automatisch und unwillkürlich zu einer bestimmten Reaktion führt; entspricht genau dies doch oftmals dem subjektiven Empfinden der Hypnotisanden. Mit solch einem Schluss, so naheliegend sie im ersten Augenblick auch erscheinen mögen,  würden wir jedoch in die Irre gehen, wie wir gleich sehen werden.

Wie sich später noch zeigen wird, ist es sinnvoll, zwischen “experimentellen” und “klinischen” Triggern zu unterscheiden – darauf, was das bedeutet, kommen wir noch zurück. Ohne dem Späteren vorzugreifen zu wollen, sei schon einmal angemerkt, dass im Folgenden in erster Linie die “experimentellen” Trigger gemeint sind, wenn von posthypnotischen Triggern/Auslösern gesprochen wird. Es sind diejenigen Auslöser, die uns in der Hypnoseforschung, aber auch bei der Showhypnose typischerweise begegnen. Der posthypnotische Trigger hängt natürlich engstens mit der PHS zusammen und muss von ihr ausgehend begriffen werden.

Die posthypnotische Suggestion – die moderne Sichtweise

Da im Artikel “Die posthypnotische Suggestion” bereits vieles zur PHS gesagt wurde, soll hier nur eine Zusammenfassung und teilweise Ergänzung stattfinden; weil das Thema jedoch wichtig und oft missverstanden ist, sollen einige bedeutende Aspekte der PHS hier dennoch herausgestellt werden.

Die Wirkung der posthypnotischen Suggestion (PHS) wird gewöhnlich mit der Zeit schwächer, auch wenn sie in einigen Fällen zeitlich lange andauern kann. Das Reagieren auf eine PHS wird, wie Tobis und Kihlstrom (2010) zurecht festhalten, sowohl durch das “Subjekt” wie durch den Beobachter oftmals als automatisch und zwanghaft empfunden. Insbesondere zeichnet sich das Reagieren auf die PHS (oder im Prinzip überhaupt auf hypnotische Suggestionen) durch (mindestens) eine der drei folgenden Möglichkeiten aus: a) Der Hypnotisierte erlebt seine Reaktion als mühelos, automatisch, unwillkürlich oder gar zwanghaft; b) er ist sich der Umsetzung der Suggestion nicht bewusst (er kann beispielsweise sogar etwas schreiben, ohne sich bewusst zu sein, dass und was er schreibt); c) er bemerkt die Umsetzung der Suggestion und empfindet sie als normale Handlung, weiß aber aufgrund von Amnesie nicht, dass er tatsächlich gerade einer Suggestion folgt. (Amnesie kann jedoch natürlich zusätzlich auch im Fall von a) und b) vorliegen.)

(Barnier (1999, S. 59) meint zwar, dass die posthypnotische Suggestion die kriterien für den “klassischen Suggestions-Effekt” (Weitzenhoffer) erfülle – dieser klassische Effekt bedeutet, dass ein Verhalten als automatisch, selbständig oder unwillkürlich empfunden wird oder aber nicht einmal bewusst registriert wird. Die Auffassung, dass der so charakterisierte  “klassische Suggestions-Effekt” posthypnotisches Verhalten generell charakterisiert, ist jedoch unzutreffend. Denn wie unter c) beschrieben, kann jemand auch das Gefühl haben, aus eigenem Antrieb und völlig willentlich und “normal” zu handeln, während er tatsächlich einer posthypnotischen Suggestion folgt – die jedoch seiner bewussten Erinnerung aufgrund von Amnesie unzugänglich ist. Wenn hier von einer “Unwillkürlichkeit” berechtigterweise die Rede sein soll, dann in einem anderen und erweiterten Sinne.)

Jedenfalls drängt sich erst mal die Vermutung auf, dass das Reagieren auf die PHS tatsächlich in dem einen oder anderen Sinne ein “automatisches Geschehen” ist; und dies vielleicht umso eher, als das subjektive Gefühl des “Zwanges” bei der PHS  – im Schnitt – größer zu sein scheint als bei intrahypnotischen Suggestionen. Der Begriff “automatisch” wird dabei in diesem Zusammenhang nach traditioneller Auffassung in einem engeren Sinne verstanden und besagt unter anderem, dass die posthypnotische Reaktion ohne Absicht, Aufmerksamkeit und vielleicht auch ohne Kontrolle erfolgt; und weiterhin, dass das Wahrnehmen eines Triggers allein und ungeachtet der situativen Angemessenheit ausreicht, um eine posthypnotische Antwort zu erzeugen (Barnier, 1998; Kihlstrom, 2007; Nace & Orne, 1970; Tobis & Kihlstrom, 2010).

Seit den 30er, 40er und 50er  des 20. Jh. setzte sich, insbesondere mit den Arbeiten des Persönlichkeitspsychologen Robert White (z.B. White, 1941), innerhalb der Hypnoseforschung jedoch immer mehr die Erkenntnis durch, dass Hypnotisierte ihr Verhalten zwar in besonderer Weise erleben, insbesondere als mühelos, automatisch und unwillkürlich, dass ihr Verhalten aber dennoch “objektiv” gesehen motiviert, strategisch, reflektiert und situativ angemessen ist. Wir haben es demnach bei der Hypnose also, wenn man so will, mit einer Spaltung/Dissoziation zwischen unterbewusster Motivation einerseits und bewusstem Wahrnehmen und Empfinden andererseits  zu tun. (Dies kann hier für den allg. Fall nicht weiter ausgeführt oder bewiesen werden; man beachte jedoch andere Artikel dieses Blogs. Vorläufer solcher Ansichten gab es übrigens bereits unter den Pionieren der Hypnose wie dem späten Braid, Bramwell und Delboeuf, was hier aber nicht vertieft werden kann.)

Entsprechend dieser neuen Auffassung der Hypnose kam man auch bald zur Vermutung, dass Entsprechendes auch auf die posthypnotische Suggestion zutreffen müsse: Dass also das Subjekt die posthypnotische Suggestion zwar subjektiv beispielsweise als automatisch ablaufend und mitunter sogar als ausgeprägten Zwang erleben kann, dass dieses Gefühl aber tatsächlich eine Illusion darstellt, hinter der sich die (unbewusste) Kooperationsbereitschaft des Probanden “verbirgt”.

Nach dieser neueren Sichtweise wäre hypnotisches Verhalten also keineswegs automatisch, sondern willentlich; hypnotisches Verhalten ist demnach nicht automatisch, sondern imitiert gewissermaßen automatisches Verhalten, allerdings auf einer nicht-bewussten Ebene, wenn ich es so ausdrücken darf.

Das ist durchaus ein wichtiger Unterschied zur traditionellen Auffassung, wie wir noch sehen werden, und es ergeben sich jeweils verschiedene Konsequenzen: Wenn posthypnotisches Verhalten in der Tat “automatisch” ist, wie es die althergebrachte Auffassung besagt, dann ist beispielsweise zu erwarten, dass eine nicht zurückgenommene Suggestion auch im Alltag, weit weg von jedem Hypnose-Experiment, fortbesteht, und zwar auch dann, wenn es für den Klienten/Probanden keinen “Sinn macht”.

Wenn andererseits die posthypnotische Reaktion nur als “automatisch” erlebt wird und ihr tatsächlich ein willentliches Streben unterliegt, ist zu erwarten, dass posthypnotisches Verhalten nur dort zu finden sein wird, wo der Hypnotisierte es zeigen will. Wenn hypnotisches Verhalten also auf Absicht und Willen beruht, wird es nicht außerhalb des hypnotischen Settings, also ohne Bezug zur Hypnose, stattfinden (es sei denn, es besitzt eine besondere positive Funktion für den Hypnotisanden); denn unter diesen Umständen wäre ein hypnotisches Reagieren für das hypnotische Subjekt ja überhaupt nicht sinnvoll, und dementsprechend wäre das Subjekt auch nicht dazu motiviert.

Die wichtigsten Eigenschaften der beiden Modelle der PHS lassen sich stichwortartig so zusammenfassen:

Altes (mechanistisches) Modell: Die posthypnotische Suggestion (PHS) setzt kein Wissen, keine Aufmerksamkeit und keine Absicht voraus, ihre Ausführung hängt nicht von der Angemessenheit in  der jeweiligen Situation ab. Auch wird die Suggestion so ausgeführt, wie sie zum Zeitpunkt der “Aufnahme” durch das Subjekt verstanden wurde; spätere, außerhalb der Hypnose erhaltene Informationen darüber, wie die Suggestion eigentlich gemeint war,  führen nicht zu einer “Korrektur” des posthypnotischen Verhaltens. Und auch außerhalb des angemessenen experimentellen Kontextes, also ohne jeden Bezug zur Hypnose, reagieren die Versuchspersonen auf die PHS.

Neues (motivationales) Modell: Die Ausführung der PHS setzt Wissen, Aufmerksamkeit und Absicht voraus, und ihre Ausführung hängt von den Anforderungen der jeweiligen Gesamt-Situation ab (auch wenn die entsprechenden Denk- und Entscheidungsprozesse des Subjekts Prozesse keineswegs bewusst ablaufen müssen). Die Art der Ausführung wird auch von späteren Informationen beeinflusst, die nach der Hypnose gegeben werden. Und außerhalb des weiteren Hypnose-Kontextes reagieren auch sehr gute Subjekte nicht auf Tests für die PHS, also auch insbesondere nicht auf posthypnotische “Trigger”.

Jahrzehntelang war die Frage umstritten, welches Modell denn nun richtig ist. Denn es gilt natürlich, dass eine gute (unterbewusste) Imitation von automatischem Verhalten nicht so einfach von genuin automatischem Verhalten zu unterscheiden ist. Eine Möglichkeit der Überprüfung besteht natürlich darin, zu testen, ob gute Subjekte auf eine PHS und insbesondere auf hypnotische Trigger reagieren, wenn ein Bezug zur Hypnose überhaupt nicht erkennbar ist; ob das posthypnotische Verhalten also nur innerhalb des angemessenen Settings zu finden ist oder auch außerhalb.

Die Antwort ist deswegen nicht einfach erbracht, weil Hypnotisierte sehr gut darin sind, auch informelle und versteckte Tests zu erkennen. Wenn sie daher auf einen informellen Test reagieren, ist nicht klar, ob sie das absichtlich getan haben, da sie den Test (unbewusst) durchschaut haben, oder ob sie ohne Absicht und automatisch reagiert haben. So waren lange keine eindeutigen Schlussfolgerungen aus durchgeführten Experimenten möglich. Um zu einer klaren, definitiven Antwort zu gelangen waren ausgeklügelte experimentelle Designs nötig.

Inzwischen konnte die Forschung jedoch sehr klar zeigen, dass hypnotisches Verhalten tatsächlich motiviert, zielegerichtet und überlegt und also keineswegs automatisch ist; dass also, anders gesagt, das “neue” Modell zutreffend ist. Ein paar wichtige Erkenntnisse und Experimente zur PHS sollen dementsprechend hier kurz erörtert werden. Denn die Behauptungen, die ich aufstelle, müssen vielen gewagt oder gar unglaubwürdig erscheinen; daher will ich sie so begründen und zwar so, dass der geneigte Leser zumindest den Begründungsansatz mitzuvollziehen vermag.

Wenn hypnotisierten Probanden glaubhaft vermittelt wird, dass das Experiment durch einen Zwischenfall unterbrochen wurde und sie nicht beobachtet werden (St. Jean, 1978), oder dass das Experiment zu Ende ist (Fisher, 1954), dann reagieren auch hochsuggestible Subjekte kaum noch auf einen (post)hypnotischen Trigger.

So hatte beispielsweise Fisher mit seinen Assistenten eine PHS während dreier Phasen getestet. Während der ersten Versuchs-Phase reagierten die Probanden wie erwartet auf den posthypnotischen Auslöser. In einer zweiten Phase wurde der Eindruck erweckt, dass die PHS nicht mehr in Kraft sei. Dazu sprachen Fisher und seine Assistenten über die PHS in der Vergangenheitsform, ganz so als handele es sich um eine abgeschlossene Erfahrung. So wurden die Versuchspersonen beispielsweise gefragt, wie es denn für sie gewesen sei, als sie auf die PHS reagierten. Kaum noch ein Proband reagierte nun noch auf den posthypnotischen Trigger. In einer dritten Phase wurde die Kommunikation so verändert, dass der Eindruck entstand, dass der Versuch mit der PHS doch noch am Laufen sei. Fisher sagte beispielsweise, dass er die PHS ja noch aufheben müsse, damit die Probanden nicht im Alltag weiter auf sie reagieren würden. Nun reagierten die meisten Teilnehmer wieder posthypnotisch. Solche Experimente sprechen dafür, dass die Reaktion auf die PHS nicht automatisch erfolgt, sondern in Abhängigkeit von den wechselnden situativen Anforderungen. Die PHS kann offensichtlich deaktiviert und reaktiviert werden.

Wenn die posthypnotische Suggestion offensichtlich gerade dabei ist, aufgehoben zu werden, und eine Reaktion also offenbar nicht länger durch den Hypnotiseur erwartet wird, reagiert fast überhaupt gar kein Proband mehr auf sie; das gilt sogar für sehr gute hypnotische Subjekte (Orne , Sheehan & Evans, 1968). Dasselbe gilt übrigens auch für intrahypnotische Trigger und intrahypnotische Suggestionen, die gerade dabei sind, erkennbar gecancelt zu werden: Auch hier gibt es praktisch keine Reaktion mehr, es sei denn, es wäre bereits im Vorfeld intensiv vermittelt worden, dass auch jetzt noch eine Reaktion gewünscht wird (Sheehan, 1971, 1980). (Es scheint also so zu sein, dass intra- und posthypnotische Trigger eng verwandt sind, was ja eigentlich ohnehin naheliegt.)

Betrachten wir den Fall,  dass der Hypnotiseur zwar keine PHS ausspricht, jedoch eine Test-Suggestion nicht zurücknimmt, die augenscheinlich nur während der Zeit der Hypnose-Sitzung  eine Funktion besitzt – scheinbar, weil er die Aufhebung einfach vergessen hat. Perry (Duncan & Perry, 1977; Perry, 1977a, 1977b) führte mehrere Versuche durch oder war an ihnen beteiligt, bei denen während der Hypnose eine Analgesie induziert und auch getestet, dann aber nicht aufgehoben wurde. In dieser Situation bestand bei den mittelsuggestiblen und auch den meisten hochsuggestiblen Probanden trotz fehlender Rücknahme die Analgesie nach Beendigung der Hypnose nicht weiter. Bei einigen der hochsuggestiblen Probanden verschwand die Analgesie während der Hypnose, ohne dass sie sich dessen bewusst geworden wären; einige hochsuggestible Subjekte cancelten die Suggestion sogar ganz bewusst eigenständig, etwa, weil sie sich dachten, dass der Hypnotiseur sie vergessen hatte; bei wieder anderen verschwand die Analgesie, während sie mit dem Hypnotiseur nach der Hypnose über sie sprachen; und unter den wenigen sehr suggestiblen Personen, bei denen die Analgesie-Suggestion über die Hypnose hinaus fortbestand, fanden sich sogar einige,  die das Angebot des Hypnotiseurs, sie aufzuheben, ablehnten, und diesen selbstbewusst darüber aufklärten, dass dies eine unnötige Mühe sei, da der Effekt von alleine verschwinden werde.

Diese und ähnliche Versuche zeigen vor allem eines: Wenn ein posthypnotische Trigger so weit von der Hypnose weg und scheinbar so “zufällig” getestet wird, dass ein Bezug zum Hypnose-Experiment schwer herzustellen ist, reagieren nur relativ wenige Versuchspersonen auf den posthypnotischen Auslöser. Dabei scheinen allerdings diejenigen, die besonders “hochsuggestibel”, “tief hypnotisiert” und in die Hypnose involviert sind, am ehesten auch dann noch zu reagieren, wenn die Situation dies scheinbar nicht erfordert (Duncan & Perry, 1977; Orne, Sheehan & Evans, 1965; Perry, 1977a, 1977b). Für sich genommen könnte man dies als Anzeichen dafür werten, dass wenigstens einige Versuchspersonen wirklich “automatisch” auf eine Suggestion reagieren.

Scheinbar spricht für solch eine Interpretation auch der Versuch von Orne et al. (1965): Tief Hypnotisierten wurde suggeriert, dass sie sich während der nächsten 48 Stunden jedes mal mit der rechten Hand an die Stirn fassen werden, wann immer sie das englische Wort “experiment” hören. Es fanden verschiedene versteckte Tests statt: So fragte die Sekretärin die Probanden am nächsten Tag, ob sie für “Dr. Sheehans Experiment [!]” da seien. Unter diesen Umständen reagierten wenigstens einige gute Subjekte, in dem sie sich an die Stirn fassten.

Spätere Untersuchungen zeigen jedoch: Wenn der Test der PHS so informell und versteckt stattfindet, dass für die Probanden überhaupt kein Bezug zur Hypnose erkennbar ist, reagieren generell selbst hervorragende hypnotische Subjekte überhaupt nicht auf die PHS. In einer Untersuchung von Spanos, Menary, Brett Corss & Ahmed (1987) wurde zehn exzellenten hypnotischen Probanden, die auch gut auf posthypnotische Aufträge reagierten, suggeriert, dass sie jedes mal beim englischen Wort “psychology” husten würden. Sie würden jedes mal auf diese Weise auf das Wort “psychology” reagieren, und zwar so lange, bis die Suggestion in der zweiten Sitzung ein paar Tage später wieder aufgehoben würde. Anschließend wurde Amnesie suggeriert. Bei zwei anschließenden formellen Tests reagierten praktisch alle Hypnotisanden mit Husten (beim einen neun von zehn, beim anderen zehn von zehn). Als die Probanden dann zur zweiten Sitzung erschienen, wurden zwei Tests auf dem Weg zum Versuchs-Raum durchgeführt, die besonders “versteckt” und unauffällig waren, insofern nämlich die Verbindung zum Hypnose-Versuch besonders schwierig erkennbar war.  So wurden die Probanden beispielsweise auf dem Weg zum psychologischen Labor “zufällig” von einem Studenten nach dem Weg zur “Psychologie[!]-Fakultät” gefragt. Bei solchen sehr informellen Tests reagierte keine einzige der hochsuggestiblen Versuchspersonen posthypnotisch mit Husten. Bei einem späteren informellen, aber doch besser erkennbaren Test, bei dem der Hypnotiseur die Teilnehmer direkt vor der zweiten Sitzung zum Psychologie-Labor geleitete und ihnen für ihre Teilnahme am “Psychologie[!]-Experiment” dankte, reagierte etwa die Hälfte mit Husten. Bei den anschließenden formelleren und klarer erkennbaren Tests husteten hingegen wieder so gut wie alle Probanden. Je weniger also die hypnotischen Tests als solche erkennbar waren, desto weniger wurde auf sie reagiert.

Diese Erkenntnis ist wesentlich, da sie die Auffassung wiederlegt, dass das posthypnotische Reagieren zumindest für einige gute Probanden im formalen technischen Sinne “automatisch” erfolgt. Nein, es gilt, was auch auf der Linie weiterer neuerer Versuche liegt, die wir noch ansprechen werden: Das Reagieren auf die PHS setzt stets wenigstens unbewusste Aufmerksamkeit, Bereitschaft und Entscheidung voraus. Das Subjekt muss die Situation mit der Hypnose in Verbindung bringen und erkennen, dass hier womöglich seine hypnotische  Reaktion “verlangt” wird; und er muss sich in diesem Sinne zum Reagieren entscheiden. Ob auf “bewusster Ebene” Amnesie besteht ist dabei irrelevant. Versuche, wie wir sie hier beschrieben haben, zeigen, wie gut Probanden darin sind, selbst ziemlich versteckte und informelle Tests zu erraten den Bezug zur Hypnose herzustellen. (Zu der Frage, wieso hypnotische Suggestionen trotz des Gesagten vorsichtshalber zurückzunehmen sind, damit sie außerhalb eines Experiments nicht fortbestehen, siehe unten, siehe den oben verlinkten Artikel zur PHS, oder auch hier: “Wie hypnotische und posthypnotische Suggestionen zurücknehmen?“)

Auch gilt, dass “tief hypnotisierte” Probanden eine PHS nicht automatisch gegenüber einer völlig normalen Anweisung im “Wachzustand” vorziehen. Tobis und Kihlstrom (2010) gaben hervorragenden hypnotischen Probanden dazu die posthypnotische Suggestion, jedes mal beim Erscheinen einer gewissen Ziffer auf einem Monitor eine bestmmte Taste zu drücken; alsdann suggerierten sie suggerierten sie den Subjekten Amnesie und “weckten” sie. Anschließend gaben Tobis und Kihlstrom ihnen eine Anweisung im “Wachzustand”, die der hypnotischen Suggestion entgegengesetzt war: Den Versuchspersonen wurden nun aufgetragen, jeweils beim Auftauchen einer anderen Ziffer und mit dem Drücken einer anderen Taste zu reagieren. Nur die Hälfte der Probanden reagierte im Sinne der hypnotischen Suggestion; die andere aber handelte entsprechend der Wachsuggestion. Interessanter ist fast noch, dass nahezu alle Probanden Anzeichen von Stress und Unsicherheit zeigten und im Nachhinein erklärten, dass sie nicht wussten, was sie tun sollten. Trotz der Amnesie hatten sie offenbar auf unbewusster Ebene überlegt, was von ihnen gefordert war, um sich aus den widersprüchlichen Anweisungen ein Bild zu machen. Es dürfte auf der Hand liegen,  dass ein solches Verhalten ist in keinster Weise automatisch, sondern vielmehr reflektiert und strategisch ist.

Barnier und McConkey (1998a, 1998b, 1998c, 1999a, 1999b, 2001)  konnten in einer Reihe von Versuchen zeigen, dass das Setting, in dem Suggestionen getestet werden, die genauen Informationen, die gegeben werden, und die Interaktion dieser Faktoren eine wesentliche Rolle für die Ausführung der PHS spielen. Barnier und McConkey (1998b) fanden beispielsweise heraus, dass die zeitliche Limitierung einer Suggestion zu einem “längeren leben” verhelfen kann. Sie gaben ihren Probanden etwa die Suggestion, jedes mal auf ein Schlüsselwort hin posthypnotisch zu reagieren, und zwar solange, bis die Suggestion aufgehoben wird. Diese Probanden reagierten länger als andere Testpersonen, denen dieselbe Suggestion ohne eine zeitliche Befristung gegeben  worden waren. Dies zeigte sich weniger beim ersten, formellen Test, sondern mehr bei den nachfolgenden, informellen Tests. Die Probanden, denen nicht gesagt worden war, wie lange sie reagieren sollen, cancelten die Suggestion offenbar in höherem Maß eigenständig als die anderen, denn sie rechneten nicht mehr mit weiteren Tests. Diejenigen hingegen, denen vorgegeben wurde, bis zur Aufhebung der Suggestion zu reagieren, rechneten mit weiteren Tests und reagierten daher länger. Allerdings ließ die Reaktion auf die PHS generell, bei beiden Gruppen, um so mehr nach, je informeller die Tests wurden. (Ein Beispiel für einen informellen Test wäre (sinngemäß): “Als ich gerade [Triggerwort] gesagt habe, was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?” Je schwieriger ein Test als solcher zu identifizieren ist, desto weniger Hypnotisanden reagieren auf ihn.)

Dieser und ähnliche Versuche bestätigen, dass der Hypnotisand aufmerksam und bereit sein muss, um auf eine PHS zu antworten, und dass die Antwort auf die PHS eben gerade nicht automatisch ohne Absicht und Motivation erfolgt.

Als Barnier und McConkey (2001) suggerierten in einem anderen Versuch ihren hochsuggestiblen Probanden, dass diese nach der Hypnose auf ein bestimmtes Signal hin mit einer automatischen Bewegung reagieren würden. Der entsprechende Trigger wurde dann sowohl vor wie auch während der Hypnose präsentiert. Tatsächlich reagierten die meisten Probanden auch schon dann auf den Trigger, als er während der Hypnose präsentiert wurde; und die Reaktion auf den Trigger fand praktisch gleich oft statt, ob er nun während oder nach der Hypnose präsentiert wurde. Offenbar hielten die Probanden die Darbietung des Signals auch während der Hypnose für einen Test, bei dem ihre Reaktion erwartet wurde. (Wenn sehr nachdrücklich herausgestellt worden wäre, dass eine Reaktion keinesfalls während der Hypnose erfolgen soll, hätte das Ergebnis sicher anders ausgesehen.) Dieses Resultat ist auch ein Beispiel dafür, dass auch gute hypnotische Subjekte gegebene Suggestionen nicht einfach geistlos oder automatenhaft umsetzen, sondern sinnvoll und auf die Situation bezogen zu interpretieren versuchen.

In einem anderen Versuch (Barnier & McConkey, 1999a) wurde hochsuggestiblen Probanden die Suggestion gegeben, sich auf eine bestimmte normale Frage hin, die als Trigger diente, ans Ohr zu fassen. Damit war ein Konflikt geschaffen: Die “Subjekte” konnten die Frage entweder als normale Frage oder eben als hypnotischen Trigger interpretieren, und je nachdem verschieden reagieren: Verbal mit einer Antwort  oder hypnotisch mit einer Bewegung. Die Versuchspersonen lösten dieses Ambiguitäts-Problem für sich, indem sie ihre Reaktion dem jeweiligen Kontext und Setting anpassten: Je mehr das Setting eine hypnotische (resp. non-hypnotische) Reaktion verlangte, desto eher reagierten sie entsprechend auch “hypnotisch” (resp. non-hypnotisch). In einem “hypnotischen” Kontext reagierten die Versuchspersonen deutlich eher hypnotisch, in einem nicht-hypnotischen eher nicht-hypnotisch. Auch hier zeigt sich klar, dass auch sehr gute Probanden nur dann eine PHS ausführen, wenn das Setting dies in irgendeiner Form als probat erscheinen lässt (vgl. auch Barnier & McConkey, 2001).

Zudem zeigte sich, dass das subjektive Gefühl der Unwillkürlichkeit und die tatsächliche kognitive (Denk)leistung der Hypnotisierten nicht zusammenhängen: Obwohl Hypnotisierte Suggestionen interpretieren, um sie situativ angemessen auszuführen, und obwohl sie wie in einigen der erwähnten Fällen sogar Konflikte aktiv lösen müssen,  die aus der Kommunikation des Hypnotiseurs entstehen, kann es sein, dass sie das gesamte Geschehen als völlig automatisch erleben und keinerlei Bewusstsein von ihren eigenen Gedanken, Überlegungen und Entscheidungen besitzen (Barnier, 1999; Kihlstrom, 2007). Gerade das besonders “gute” hypnotische Subjekt erlebt dabei seine Handlungen in besonderem Maße als unwillkürlich und automatisch.

Auch andere Experimente verdeutlichen, dass das Reagieren auf die posthypnotische Suggestion Aufmerksamkeit (exekutive Kontrolle) voraussetzt, die dann beispielsweise für andere Dinge nicht mehr zur Verfügung steht – wobei diese Aufmerksamkeit keineswegs bewusst sein muss. Diese Inanspruchnahme von Aufmerksamkeits-Ressourcen, wie auch andere Befunde, sprechen gegen die These, dass hypnotisches Reagieren “automatisch” ist. Denn es ist ja gerade das Hauptmerkmal “automatischer” Prozesse, dass sie keine oder kaum Aufmerksamkeit erfordern.  (Vgl. Barnier, 1999 ; Kihlstrom, 2007; Tobis & Kihlstrom 2010; siehe auch den Artikel “Exekutive Kontrolle“.) Weiterhin gilt allgemein, dass posthypnotisch nicht nur simple Befehle erteilt werden können, sondern auch Suggestionen, die Eigenständigkeit, Spontaneität und Kreativität erfordern (Erickson, 1939/1980), und wo daher ohnehin klar ist, dass von “Automatizität” keine Rede sein kann (White, 1941).

Gerade die Versuche zur (post)hypnotischen Suggestion zeigen also, dass nicht nur einfachere, sondern auch anspruchsvolle Prozesse, die “exekutive Kontrolle”, Motivaton, Engagement, Aufmerksamkeit, Interpretationsleistungen, intelligentes Nachdenken usw. beinhalten,  rein unterbewusst ablaufen können.

Des Weiteren konnte belegt werden, dass posthypnotische Suggestionen nicht effektiver als normale Bitten sind, wenn Probanden einen “neutralen” Auftrag wie ausführen sollen, etwa den, den Experimentatoren für eine möglichst lange Zeit täglich eine vorfrankierte Postkarte zuzusenden (Barnier & McConkey, 1998a; Damaser, Whitehouse, Orne, Orne & Dinges 2010; siehe auch Tobis & Kihlstrom, 2010).

Der Gehorsam gegenüber einer (post)hypnotischen Suggestion scheint nicht größer zu sein als der gegenüber einer Wach-Instruktion, wenn dieselben sozialen und situativen Anforderungen bestehen (Orne, 1970). Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die (posthypnotische) Suggestion  im klinischen Setting ineffektiv wäre; es zeigt nur, dass Hypnotisierte nicht “gehorsamer” als Wache sind, wenn es darum geht, einem Befehl zu folgen, für den sie keine besondere eigene Motivation besitzen, und dem sie nur dem Experimentator zuliebe nachkommen.

Fassen wie die bisher vorgestellten Erkenntnisse der Hypnoseforschung zusammen, und zwar mit den Worten, mit denen Barnier und McConkey (1998b) wichtige Erkenntnisse (aus ihren Experimenten) kommentieren:

“Frühere Untersuchungen, die zeigten, dass einige Individuen eine unvollständig ausgeführte posthypnotische Suggestion während eines späteren Tests vervollständigen […], oder dass die Wirkungen einer nicht zurückgenommenen Suggestion fortbestehen können […], oder dass das Reagieren außerhalb des experimentellen Settings fortgesetzt werden kann […], können am besten im Hinblick auf die Information verstanden werden, die der Hypnotiseur den Teilnehmern über die Art und Dauer ihres Reagierens auf irgendeine Weise vermittelt hat…Wie in jeder sozialen Interaktion müssen die Teilnehmer [auch im Fall der posthypnotischen Suggestion] die Information, die ihre Reaktionen auslösen soll, erkennen und interpretieren; dann müssen sie entscheiden, ob sie reagieren…Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Antwort auf eine posthypnotische Suggestion davon abhängt, wie die Teilnehmer die Informationen verarbeiten, die sowohl in der Suggestion, als auch in den Tests enthalten sind; und sie tun dies im Gesamtkontext des Bemühens, die Kommunikation des Hypnotiseurs zu verstehen und sich einen Reim auf das hypnotischen Setting zu machen.”

Nur wenn der Proband in irgendeiner Form eine Verbindung zur Hypnose herstellt, nur, wenn erkennt, dass eine bestimmte Reaktion im Sinne der “hypnotischen Rolle” gefordert ist, und nur wenn er motiviert ist, dementsprechend zu reagieren, antwortet er (post)hypnotisch; und bei seiner Reaktion integriert er alle zur Verfügung stehenden Informationen sowie explizite und implizite Suggestionen. (Die “hypnotische Rolle”, die nichts mit “Schauspielerei” zu tun hat, besteht in den Erwartungen und Überzeugungen, wie Hypnotisierte sich verhalten. Diese Einstellungen beeinflussen das Verhalten hypnotischer Subjekte. Siehe den Artikel “Hypnotische Rolle[…]“.)

Dies ist die eine wesentliche Erkenntnis: Posthypnotisches Verhalten ist zielgerichtet, intelligent und reflektiert, so wie menschliches Verhalten – jedenfalls in einem “schlichten” Sinne – es allgemein ist. Damit besitzen wir eine wesentliche Erkenntnis, wie die durch die Hypnoseforschung überzeugend etabliert wurde, wenn sie auch bis heute der allgemeinen Öffentlichkeit leider weitestgehend unbekannt geblieben ist.

So haben wir aber nur die eine Seite der Medaille erfasst. Es gibt noch eine andere: Das ist die Tatsache, dass hypnotisches Reagieren nicht der völligen willentlichen Kontrolle unterliegt und zwar “angestrebt”, aber nicht “erzwungen” werden kann; und damit hängt zusammen das ganz besondere Erleben, das posthypnotisches Verhalten von normalem Verhalten unterscheidet, wie Gefühle der Unwillkürlichkeit, fehlendes Bewusstsein von der Ausführung der Suggestion, und/oder Amnesie. Wie ist dieser andere Aspekt zu erklären? Viele Hypnoseforscher verschiedener theoretischer Orientierung, würden in diesem Zusammenhang auf das Konzept der “Dissoziation” verweisen, auf die Abspaltung bestimmter Kognitionen vom Bewusstsein. Diese Auffassung ist die einzige, die nach meinem Dafürhalten überzeugen kann. Dissoziation wäre in diesem Zusammenhang vor allem so zu verstehen, dass bestimmte Informationen der betreffenden Person zur Verfügung stehen, dass sie sie ihr Verhalten beeinflussen, und dass die entsprechende Person sie sogar in komplexe Überlegungen mit einzubeziehen vermag – während diese Informationen jedoch nicht Teil des expliziten Bewusstseins sind.

Lassen wir abschließend noch einmal Barnier (1999) zu Worte kommen:

“Ganz wie andere hypnotische Reaktionen ist posthypnotisches Reagieren nicht automatisch entsprechend den Definitionen, die von den kognitiven Psychologen benutzt werden. Es beansprucht Ressourcen der Aufmerksamkeit, es interferiert mit anderen Prozessen, es erfordert eine kognitive Anstrengung, und es ist absichtsvoll; und doch bleibt dies dem bewussten phänomenalen Erleben entzogen. Auch wenn dieses Fehlen von Bewusstsein oftmals als die hervorstechendste Eigenschaft von posthypnotischem Verhalten betrachtet wird, ist es doch wichtig, eine andere sehr bedeutende Eigenschaft hervorzuheben; diese ist, dass die Reaktion auf eine posthypnotische Suggestion absichtsvoll und strategisch ist. Hier liegt das eigentliche Paradoxon des posthypnotischen Reagierens (und tatsächlich des hypnotischen Reagierens allgemein). Unsere wissenschaftlicher Ergebnisse zeigen, dass einige hypnotisierte Individuen sehr aktiv darin sind, die Anforderungen des Settings für sich herauszuarbeiten, die Konflikt in den Kommunikationen zu lösen, die sie erhalten, und darin, auf angemessene Weise zu reagieren. Dennoch machen viele hoch hypnotisierbare Subjekte unabhängig vom Level der Anforderungen eine Zuschreibung hinsichtlich ihres Reagierens, die die Aspekte von Mühelosigkeit und Unwillkürlichkeit hervorhebt. Diese fehlende Erkenntnis des eigenen Involvirtseins in die Erfahrung, die sie machen, ist ein bleibender Aspekt der Hypnose, der fasziniertend ist.”

Diese Zweigesichtigkeit ist zweifellos in der Tat ein faszinierende Paradoxon und zugleich Charakteristikum der Posthypnose und der Hypnose überhaupt: Ein Verhalten, das klarerweise ein überlegtes und gewolltes ist, wird durch die betreffende Person nicht bewusst registriert, oder als automatisch oder unwillkürlich erlebt.

Der (experimentelle) posthypnotische Trigger

Aus dem neuen Verständnis des Reagierens auf die posthypnotischen Suggestion als einem intelligentem und zielgerichtetem, wenn oft auf unbewusstem Verhalten, ergeben sich naturgemäß auch eminente Konsequenzen für das Verständnis des posthypnotischen Triggers, die anbei auch bereits genannt wurden: Bei genauerem Hinsehen ist, wie wir bereits gesagt hatten,  zu erkennen, dass auch hervorragende hypnotische “Subjekte” nicht automatisch auf posthypnotische Auslöser reagieren, sondern nur dann antworten, wenn sie glauben, dass dies jeweils gewünscht ist; und wenn sie ferner bereit und motiviert zur Reaktion sind. Hypnotische Subjekte – auch exzellente – reagieren “objektiv” betrachtet also nicht unkontrolliert und zwanghaft auf den posthypnotischen Auslöser.

Was für eine Art von “Trigger” ist der posthypnotische Auslöser dann also, entsprechend unserer Typisierung? Erinnern wir uns:  Wir hatten völlig automatische Trigger, bei denen die Person kaum Kontrolle hat (Typ 1),  quasi-automatische Trigger, die wenig Aufmerksamkeit (exekutive Beteiligung) erfordern, bei denen die Reaktion jedoch unter der Kontrolle des Subjekts verbleibt (Typ 2) und “exekutive” Trigger, die eigentlich nur einen Hinweis oder ein Signal darstellen, auf das die Person intelligent und überlegt reagiert (Typ 3) unterschieden. Wo gehört der “experimentelle” posthypnotische Auslöser nun hin?

Jedenfalls schon einmal nicht in die ersten Kategorie (Typ 1), wo eine Reaktion durch einen Schlüsselreiz unkontrollierbar und unausweichlich ausgelöst wird; denn die posthypnotische Reaktion ist “weit davon entfernt, unvermeidlich zu sein” (Tobis & Kihlstrom, 2010).

Wie steht es aber um die Trigger der zweiten Kategorie, die “quasi-automatischen”? Bei ihnen setzte das Verhalten wenig Absicht und Aufmerksamkeit (exekutive Kontrolle) voraus, blieb jedoch unter der Kontrolle der Person, so wie also etwa im Fall der roten Ampel, bei der wir bremsen oder stehen bleiben, ohne dass wir dazu weiter nachdenken müssten. In einigen Fällen dürften hypnotische Trigger von diesem Typ sein, etwa wenn eine besondere Interpretationsleistung nicht nötig und die Reaktion sehr einfach ist. Vor allem, wenn jemand oft und gezielt auf einen bestimmten Trigger reagiert, so wie das besonders im klinischen Setting der Fall ist, wird das Reagieren natürlich in gewisser Weise automatisiert, in Form einer Gewohnheitsbildung, so wie das Anhalten bei der roten Ampel. Auch dann bleibt das Reagieren aber natürlich grundsätzlich unter der Kontrolle des Hypnotisierten, so wie anderes automatisiertes Verhalten auch, ungeachtet eines möglichen subjektiven Gefühls des Zwanges, welches hypnotisches Erleben begleiten kann.

Doch oft scheint diese Kategorie für den posthypnotischen Trigger, wie er im experimentellen Kontext eingesetzt wird, nicht ganz zu passen: Die Reaktion auf den posthypnotischen Auslöser ist oftmals kein eingeübtes, automatisiertes Verhalten, jedenfalls nicht in der neuen und besonderen Situation des Experimentes. Außerdem erfolgt die Reaktion auf den Schlüsselreiz ja nur selektiv, und zwar dann, wenn sie situativ und strategisch als angemessen empfunden wird, wie wir gesehen haben: So ein Reagieren setzt je nach genaueren Umständen und Situation jedenfalls in einigen Fällen eine klare Reflexions- und Interpretationsleitung voraus und beinhaltet eine sehr gezielte Entscheidung. Wie hieran und an der oben erwähnten Tatsache, dass Wachinstruktionen und posthypnotische Suggestionen oft interferieren, erkennbar wird (“Exekutive Kontrolle“), erfordert das Reagieren auf die PHS also oftmals Aufmerksamkeit und exekutive Kontrolle, und kann daher in diesen Fällen  per definitionem nicht “automatisch” sein, nicht einmal in der abgeschwächten “quasi-automatischen” Variante.

Zum “experimentellen” posthypnotischen Trigger passt oftmals also am besten die dritte unserer Kategorien (Typ 3): Der “experimentelle” Trigger löst ein zielgerichtetes Verhalten aus, das exekutive Kontrolle involviert. Der posthypnotische Auslöser führt demnach also manchmal zu einer quasi-automatischen, meist aber wohl eher zu einer “exekutiven” Reaktion, je nachdem, was gerade notwendig ist, um angemessen auf die Situation reagieren zu können. In beiden Fällen aber erfolgt die Reaktion jedenfalls in der Regel nicht “geistlos”, sondern ist intelligent, strategisch und absichtsvoll.

Was also ist die Funktion und Wirkungsweise des posthypnotischen Triggers, wie er im experimentellen Setting Anwendung findet? Dieser “Trigger” hat vor allem die Aufgabe, den Hypnotisierten zu informieren; und zwar darüber, dass eine bestimmte Reaktion (das posthypnotische Verhalten) zum gegebenen Zeitpunkt angebracht und erwünscht ist. Die posthypnotische Reaktion, die dann erfolgt, stellt ein intelligentes, soziales und zweckgerichtetes Verhalten dar, durch das der Hypnotisierte den Anforderungen des Hypnotiseurs, der sozialen Rolle des “hypnotischen Subjekts” und der Gesamtsituation gerecht zu werden trachtet.

Was ist der “experimentelle”  posthypnotische Trigger also? Eine Information, und zwar eine, die interpretiert werden muss. Ein Signal, das ein bestimmtes Wissen vermittelt.

Es ist daher zu betonen, dass nicht der Trigger eine hypnotische Reaktion “verursacht”; es ist vielmehr der Hypnotisierte, der sie verursacht. Der Trigger gibt nur das Signal an den Probanden, dass sein Reagieren nun gewünscht ist; reagieren muss er selbst. (Wenn daher mitunter die Hypnose, die durch einen Trigger re-induziert wird, als “Signalhypnose” bezeichnet wird, so ist diese Sprechweise durchaus berechtigt.)

Suggestionen und Trigger sind keine “Implantate”

Aus den Erkenntnissen zur (post)hypnotischen Suggestion und zum (post)hypnotischen Trigger ergeben sich übrigens auch wichtige praktische Konsequenzen wie etwa die: (Post)hypnotische Suggestionen sind keine geistigen “Viren” oder psychischen “Implantate”, die gewissermaßen ein Eigenleben führen. Posthypnotische Suggestionen sind auch keine “Programme” im Kopf des Menschen, die die Kontrolle über diesen übernehmen. Vielmehr stellen (post)hypnotische Suggestionen Ideen dar, für deren Umsetzung der Proband sich ebenso entscheiden muss wie für andere Ideen auch und das erfordert wiederum Aufmerksamkeit und Motivation (mindestens unterbewusst).

Suggestionen können dementsprechend auch nicht “implantiert” oder “installiert” werden, so dass einem passiven Subjekt quasi etwas “eingeimpft” würde. Vielmehr ist es so, dass die motivierte Person bereit ist, aktiv Ideen aufzunehmen, sie zu akzeptieren und schließlich sie umzusetzen (sei es aufgrund von genuiner Motivation oder aufgrund von situativem und psycho-sozialem Druck; so wie im “normalen” Leben auch). Nicht die Suggestion verwirklicht sich, sondern der Hypnotisierte verwirklicht sie! Die Suggestion ist kein eigenes “Agens”; der Hypnotisierte bleibt der “Agent”!

Natürlich kann es bei Versuchen sowohl für außenstehende Beobachter wie für die Probanden selbst ganz den Anschein haben, als handele es sich bei Suggestionen doch um “Implantate”, die automatisch und eigenständig wirken. Hier haben wir es dann jedoch mit experimentellen Artefakten zu tun, bei denen die Probanden aufgrund ihrer (unbewussten) Motivation das darstellen, was ihnen implizit oder explizit als Auftrag vermittelt wurde.

Diese Erkenntnisse ergeben sich sehr klar und m.E. unausweichlich aus konzentrierten und methodisch guten Forschungen zum Charakter der posthypnotischen Reaktion.

Es sollte allerdings noch hinzugefügt werden, dass Hypnose einen starken sozialen Anforderungscharakter haben kann, der oft unterschätzt wird. So kann es durchaus sein, dass der Hypnotisierte sich so sehr mit der “hypnotischen Rolle” identifiziert, dass er sich im Einzelfall schwer von ihr lösen und also wirklich etwa das subjektive Gefühl eines ausgeprägten Kontrollverlustes entwickeln kann. Die “Macht”, die der Hypnotiseur entwickeln kann, ist vielleicht am ehesten mit der “normaler” sozialer Autoritäten wie der des Arztes in  einer Arzt-Patient-Beziehung oder der des Versuchsleiters im sozialpsychologischen Experiment vergleichbar (vgl. z.B. Orne, 1962; Wagstaff, 1999, 2008). und eine einzigartige Kontrolle scheint der Hypnotiseur nicht zu besitzen (s.u.).

Übrigens sind auch beim “hypnotischen Gehorsam” die Unterschiede von Individuum zu Individuum groß, und einige (auch gute) hypnotische Subjekte verhalten sich sehr eigenständig (s.u.).

Einige illustrative Fallbeispiele

Betrachten wir noch einige erhellende konkrete Fälle und sehen wir, ob uns das neue Verständnis der PHS und des posthypnotischen Triggers und helfen kann, sie besser zu begreifen und zu beurteilen, als nach der althergebrachten Auffassung, nach der die Reaktion auf die PHS automatisch erfolgt und oft auch die Suggestionen auch rein “wörtlich” verstanden werden (siehe auch den Artikel: “Nehmen (tief) Hypnotisierte alles wörtlich?“). Die ersten beiden Beispiele stammen aus meiner Erfahrung; die anderen kenne ich zugegebenermaßen nur durch Dritte; jedoch sind auch diese Schilderungen glaubhaft.

1. Einer sehr guten Versuchsperson (Vp) hatte ich den posthypnotischen Auftrag erteilt, bei jedem Satz am Ende noch ein bestimmtes Wort anzuhängen. So tat sie es, jedoch war ihr anfangs  gar nicht bewusst, dass sie das machte, und sie stritt es ab. Auf meine spätere Suggestion hin registrierte sie ihr Verhalten schließlich, empfand es jedoch als zwanghaft und setzte es “automatisch” fort. Anschließend hob ich die Suggestion explizit auf, und die Vp sprach jetzt wieder völlig normal und hängte das fragliche Wort nicht mehr an Sätze an. Kurz darauf wiederholte ich, wenn sie sprach, jeweils den letzten Teil ihres Satzes und fügte das fragliche Wort an. Dabei sah ich die Vp erwartungsvoll und demonstrativ an und vermittelte ihr auch ansonsten non-verbal, dass sie erneut reagieren solle. Das tat sie alsbald und hängte in dieser zweiten Phase erneut “zwanghaft” das vorgegebene Wort an jeden Satz, den sie sprach an. (Dieses Beispiel bezieht sich zugegebenermaßen nicht auf “typische” Trigger, ist aber eng verwandt mit diesem Thema; denn die Sätze, die die Vp aussprach, können selbst als Auslöser betrachtet werden, die das fragliche Wort “triggerten”.)

Vom überkommenen Verständnis aus betrachtet ist es schwer zu erklären, wieso der Proband auf eine Suggestion reagierte, die explizit aufgehoben worden war. Denn hier sollte der eigentlich ja “mechanisch” und geistlos jede Suggestion wörtlich umsetzen, also auch eine beendigende Suggestion; und ohne eine erneute explizite “reaktivierende” Suggestion sollte das Subjekt das entsprechende Verhalten auch nicht erneut zeigen. Von einer modernen Sichtweise her ist die Sache hingegen nicht so schwer zu erklären: Die Vp erkannte in der zweiten Phase, dass ein Reagieren erwartet und gewünscht war, und aufgrund ihrer Kooperationsbereitschaft reagierte sie zielgerichtet erneut, den Anforderungen der Situation gemäß, wie ich als Hypnotiseur sie in diesem Fall durch mein Verhalten definiert hatte. Denn nach dem neuen Verständnis löst nicht eine Suggestion “automatisch” die Reaktion aus, sondern die intelligente und motivierte hypnotische Person entscheidet sich, entsprechend den expliziten oderimpliziten Suggestionen zu handeln.

2. Während eines anderen Experimentes hatte ich einem Subjekt die PHS gegeben, auf ein Codewort hin einen Hut auf meinem Kopf zu halluzinieren. Anschließend suggerierte ich erfolgreich Amnesie für diese Suggestion. Vor dem eigentlichen Test fragte ich meinen Probanden spontan, ob ich einen Hut auf dem Kopf habe. Ich erwartete die Antwort “nein”, denn ich hatte das Trigger-Wort ja noch nicht ausgesprochen. Zu meiner Überraschung sah mich mein Proband für einen Moment an und bejahte die Frage, und auf Nachfrage hin beschrieb er den Hut.

Ausgehend vom traditionellen Modell dürfte der Ausgang dieses Experimentes praktisch unerklärlich sein. Denn entsprechend der überkommenen Vorstellung, nach der der Hypnotisierte alle Suggestionen wörtlich und mechanisch umsetzt, wäre zu erwarten, dass er erst dann den Hut halluziniert, wenn der Auslöser präsentiert wird – das war ja schließlich eindeutig die Formulierung der Suggestion!

Von der neueren Sichtweise ausgehend, nach der das Reagieren auf eine PHS oder einen Auslöser ein reflektiertes und zielgerichtetes Verhalten darstellt, das von den impliziten Hinweisreizen der Situation beeinflusst wird, wird hingegen verständlich, was geschehen ist: Offenbar hat der Proband – auf unterbewusster Ebene – meine Frage fehlinterpretiert, nämlich als indirekte Aufforderung, die PHS ohne Präsentation des Triggers auszuführen und die vorgegebene Halluzination zu erzeugen. Er war offensichtlich zur Reaktion bereit und wartete auf den Auslöser; als ich jedoch die besagte Frage stellte, verstand er dies offenbar so, dass es mein Wunsch war, dass er nun sofort den Hut halluzinieren solle.

Nach dem modernen Verständnis verursacht ja keineswegs der Trigger eine Reaktion; vielmehr reagiert das motivierte Subjekt ziemstrebig, und zwar dann, wenn es meint, dass eine bestimmte Situation besteht, in der ein Reagieren nun angemessen und gewünscht ist. Der Trigger zeigt dem Hypnotisanden nur an, dass diese Situation nun da ist. Daher fällt das Reagieren meistens, aber nicht immer mit der Präsentation des Auslöser zusammen. Der Proband kann in Einzelfällen auch ohne Auslöser zur Überzeugung kommen, dass sein Reagieren nun angemessen ist. Eigentlich ist demnach die jeweilige Situation selbst der “wahre” Trigger.

3.  In einem anderen Fall wurde ein posthypnotischer Re-Induktions-Trigger (Trigger zur Induktion einer erneuten Hypnose) etabliert. Obwohl der unerfahrene Hypnotiseur eindeutig den Trigger so formulierte, dass der Hypnotisand nur dann reagieren soll, wenn er, der Hypnotiseur, das Codewort ausspricht, konnten auch andere Personen den Trigger aktivieren. Die hochsuggestible Versuchsperson zeigte auf Suggestion hin auch verschiedene (auch schwierige) hypnotische Phänomene. Einige Experimente gefielen ihr aber offenbar nicht, obwohl sie sie noch mitmachte. (Es ist selbstverständlich, dass der Hypnotiseur stets auf das Wohlbefinden seiner Probanden achten sollte.) Später reagierte der Proband dann überhaupt nicht mehr auf den Trigger und war  – jedenfalls durch jenen Hypnotiseur – auch nicht mehr hypnotisierbar.

Auch dies lässt sich von einer “traditionellen” Sichtweise, nach der der Hypnotisierte Befehle wie ein Automat umsetzt, kaum verstehen. Von einer moderneren Perspektive her, nach der “normale” kognitive, motivationale und soziale Prozesse das hypnotische Verhalten wesentlich beeinflussen, sind die fraglichen Reaktionen jedoch leicht zu erklären: Der Proband hat sich bei der “Trigger-setzenden” Suggestion entweder so sehr auf den das Codewort konzentriert, dass er die Einschränkung, dass er nur bei der Präsentation des Triggers durch den Hypnotiseur reagieren soll, nicht weiter registriert hat; das kann vor allem dann passieren, wenn dieser Punkt nicht extra betont wird. Und/oder der Proband hat die Einschränkung für den Trigger alsbald vergessen. Und da die verschiedenen Erlebnisse während der Hypnose für ihn überwiegend unangenehm waren, reagierte er später trotz seiner hohen Suggestibilität überhaupt nicht mehr auf den Re-Induktions-Trigger, auf den er erst so gut angesprochen hatte; und das obwohl der nicht aufgehoben worden war. Dies ist eben deshalb möglich, weil das Reagieren auf einen Trigger auch bei ausgeprägter hypnotischer Suggestibilität nicht automatisch und unkontrollierbar geschieht, sondern zumindest auf unbewusster Ebene Bereitschaft und Motivation voraussetzt.

Am Rande darf ich dieses bemerken: Wenn der Anfänger, dem so etwas passiert, (im Internet) nach Hilfe und Erklärungen fragt – wie in diesem Fall geschehen -, und aufgrund seiner Erfahrungen verwirrt ist, da er von einem mechanistischen Verständnis der Hypnose ausgeht, wie es aber fast ubiquitär verbreitet ist und gelehrt wird; und wenn ihm dementsprechend zuerst jedenfalls niemand Antwort geben kann, dann zeigt sich das zutiefst Unbefriedigende an dem allgemeinen “mechanistischen” Fehlverständnis der Hypnose: Wo es beim Suchen nach Erklärungen in Wahrheit um motivationale und soziale Prozesse gehen müsste, um Einstellungen, Haltungen, Überzeugungen, Erwartungen, Motive, Widerstände und besonders auch um die dynamische soziale Interaktion zwischen Subjekt und Hypnotiseur, wird in mechanistischen Kategorien gedacht und nach automatischen Reflexen gefahndet – und das natürlich ergebnislos; und so kann gerade das Eigentliche solcher Fälle weder erklärt noch verstanden werden. Es wird vielleicht registriert,  dass eine Erfahrung resp. Fallschilderung irgendwie nicht “ins Bild” passt; man ignoriert diesen Umstand aber, weil man nicht weiß, wie man ihm beikommen könnte.

4. Wenn posthypnotische Suggestionen nicht einen besonderen Sinn erfüllen, beispielsweise im klinischen Setting, dann lässt ihre Wirkung gewöhnlich relativ schnell nach. Früher wurde Rauchern manchmal suggeriert, dass die Zigaretten schlecht schmecken, doch Hilgard (1986) erwähnt, dass sich der Effekt solcher Suggestionen bald “abnutzt”. Andererseits existieren Einzelbeispiele, bei denen ein Hypnotiseur nach Jahren einem Probanden wieder begegnet, und wo dieser auf den einmal etablierten Trigger noch immer reagiert. Es gibt diese grundsätzliche Auffälligkeit, dass Suggestionen manchmal sehr lang und manchmal sehr kurz wirken können, ohne dass dieser Effekt allein durch Unterschiede bei Suggestibilität/”Tiefe” hinreichend erklärbar wäre.

Auch dieser scheinbare Widerspruch ist von einer traditionellen Denkweise her irritierend, löst sich aber durch ein modernes Verständnis auf. Denken wir dazu an die oben referierten Experimente, insbesondere noch einmal kurz den Versuch der kanadischen Forschergruppe (Spanos et al., 1987): Zehn exzellenten hypnotischen Probanden wurde die PHS gegeben, dass sie jedes mal husten sollen, wenn sie das englische Wort “psychology” hören, und zwar solange, bis diese Suggestion in der nächsten Sitzung eine Woche später aufgehoben würde; dann wurde Amnesie suggeriert und die Hypnose aufgelöst. Auf erkennbare und formelle Tests des Triggers nach der Hypnose reagierten praktisch alle Probanden sehr gut. Einige Tage später sprachen Personen, die scheinbar überhaupt nichts mit dem Experiment zu tun hatten, die Subjekte außerhalb des Psychologie-Labors an und fragten sie beispielsweise, wo die Psychologie[!]-Fakultät sei. Keiner der hypnotischen Probanden hustete nun. Später, als sie die zweite Sitzung mit dem Hypnotiseur hatten, sprach dieser – scheinbar rein zufällig – das Wort “psychology” aus, indem er den Teilnehmern dankte, dass sie bei dem Psychologie[!]-Experiment mitmachen; dies geschah, während sie gemeinsam den Flur zum psychologischen Labor entlangliefen. Hier hustete nun etwa die Hälfte. Bei den formellen und gut erkennbaren Tests im Psychologie-Labor husteten dann wieder fast alle, wenn sie das Wort “psychology” hörten.

Dieser Versuch, so wie die anderen weiter oben referierten, helfen uns zu verstehen, warum ein posthypnotischer Trigger auch noch nach Jahren wirken kann: Er tut das nicht, weil posthypnotische Suggestionen ohne Zweck, ohne “Sinn und Verstand” dauerhaft im Alltag “persistieren” und dann bei entsprechender Gelegenheit “automatisch” in Wirkung treten würden; sondern der Proband reagiert, weil in dem Moment, in dem der Hypnotiseur den Trigger nach Jahren testet, er einen Bezug zur Hypnose herstellt und erkennt, welche Reaktion nun von ihm erwartet wird, und weil fähig und bereit ist, entsprechend zu antworten.

In den Fällen hingegen, in denen Suggestionen relativ schnell ihre Wirkung verlieren, dürfte (neben fehlender Suggestibilität) ausschlaggebend sein, dass der Proband entweder in der konkreten Situation, in der er den Trigger wahrnimmt, entweder keinen Bezug zur Hypnose herstellt (s.o.); oder sein Wunsch, der PHS entgegen zu handeln, ist zu stark : So mag der Wunsch zu rauchen ausgeprägter sein als das Bedürfnis, entsprechend der therapeutischen PHS den Geschmack von Zigaretten als abstoßend zu halluzinieren bzw. deswegen das Rauchen zu unterlassen.

Es ist also wieder die Erkenntnis, dass die PHS nicht “mechanisch” rezipiert und durchexerziert wird, sondern dass Interpretation, Motivation und Entscheidung das hypnotische Verhalten essentiell mitbestimmen, die uns auch in diesem Fall zu einer Antwort verhilft.

Wieder eine Randbemerkung: Ungeachtet davon, wie viel explizite “praktische Regeln” sich aus dem neuen Verständnis der (post)hypnotischen Suggestion ableiten lassen, kann es m.E. doch dem Therapeuten weiterhelfen, wenn er sich im vollen Umfang bewusst wird, wie wenig hypnotisches Verhalten ausschließlich in Analogie zu mechanischen Verrichtungen verstanden werden kann; wie wichtig der Klient als Person ist, als jemand, der Präferenzen, Motive und  Wünsche hat, der Kommunikation interpretiert, und der eigenständig agiert. Damit sei nicht abgestritten, dass Hypnose (und Suggestion) eine besondere zusätzliche “Kraft” sein kann, die eine positive Veränderung in vielen Fällen sehr zu erleichtern vermag (s.u.). Aber diese Kraft muss “in Harmonie” mit der Persönlichkeit des Klienten/Probanden stehen; denn die Kraft der Hypnose ist keine “Macht von außen”,  sondern eine “Macht von innen”, auch wenn sie “von außen angestoßen” wird; sie ist eine, die von den psychischen Strebungen und Kräften des Hypnotisierten selbst abhängt und sich nur auf deren Grundlage entfalten kann.

Entsprechende Erkenntnisse sind zweifellos wesentlich für das Maß des Erfolgs von Hypnotherapie, vor allem in nicht ganz einfachen Fällen (und in gewissem Sinne gilt das auch für Hypnose); und bereits Pioniere wie Braid und besonders Bramwell waren die entsprechenden Prinzipien klar. Aufgrund des “humanistischen” Ansatzes der Ericksonschen Hypnotherapie dürfte heutzutage eine entsprechende Grundhaltung bei vielen Hypnotherapeuten heutzutage vorherrschen; allerdings ist sie vielleicht weniger ausgeprägt und konsequent, als das wünschenswert wäre. Die zugehörige Einstellung des Hypnotiseurs muss dabei nicht unbedingt auf einer akkuraten Hypnose-Theorie beruhen, sondern mag auch intuitiv und instinktiv vermittelt sein. Jedenfalls sollte der Hypnotiseur/Hypnotherapeut den Prozess der Hypnose(therapie) nicht als die Reparatur eines Autos oder als Programmieren eines Computers verstehen, sondern als besondere Form der Kommunikation zwischen zwei menschlichen Personen.

So wichtig aber auch psychosoziale Faktoren der Hypnose sind, besonders im klinischen Setting, so sei auch vor ihrer Verabsolutierung gewarnt: Wenn ein Proband beispielsweise ein harmloses hypnotisches Phänomen nicht zu erleben vermag, aber sich auch nach Befragung keinerlei Anzeichen für einen Widerstand ergeben und der Proband allem Anschein nach sogar motiviert ist, dann liegt das Problem vermutlich tatsächlich nicht an unbewussten Widerständen, sondern daran, dass diese Person zu diesem Zeitpunkt nicht die kognitiven Fähigkeiten aktivieren kann, die zu jener Erfahrung nötig wären. Denn Hypnose umfasst zweierlei: Willentliches Streben und Fähigkeit.

Wir haben nun einige Beispiele zum posthypnotischen Trigger erörtert, bei denen sich hypnotisierte Personen anders verhielten, als es nach der traditionellen Theorie der PHS zu erwarten wäre; dagegen vermag  die neuere Sichtweise der PHS diese Fälle zwanglos und plausibel zu erklären. Wahrscheinlich werden den meisten Hypnotiseuren, die eine Reihe von Experimenten zu posthypnotischen Aufträgen und Triggern durchführen, analoge Fälle, die mit der traditionellen Auffassung  schwer vereinbar sind, irgendwann begegnen. Da solche Vorkommnisse jedoch nicht mit der allgemein verbreiteten, wenn auch falschen Theorie der PHS vereinbar sind, werden sie gewöhnlich einfach ignoriert und stehen gelassen. Denn wenn Erfahrung und Theorie sich widersprechen, so wird üblicherweise der Theorie die Priorität gegeben, was vor allem dann verständlich ist, wenn der betreffenden Person keine befriedigende Alternativ-Theorie zur Verfügung steht und die alte Theorie vermeintlich unangefochten ist und scheinbar allgemein akzeptiert wird.

Folgerungen für die potentielle “Gefährlichkeit” von Triggern

Betrachten wir von unseren Überlegungen ausgehend noch einem letzten Fall: Ein damals noch unerfahrener Showhypnotiseur setzte bei seinen Probanden “Re-Induktions-Trigger”. Später benutzten Freunde der Probanden diese Trigger, um die Ex-Teilnehmer der Bühnenhypnose erneut zu hypnotisieren. Die genaueren Umstände kenne ich nicht, und ich kann einen Fehler des Showhypnotiseurs nicht ausschließen. Andererseits gehört es zum absoluten Basis-Wissen, dass Suggestionen, die nicht weiterwirken sollen,  aufzuheben sind, und es ist schwer vorstellbar, dass jener Hypnotiseur das nicht tat. Und wie wir im letzten Kapitel im Beispiel 1 gesehen hatten, ist es absolut möglich, auch ausdrücklich “gecancelte” Auslöser zu reaktivieren. Aber was immer genau passiert sein mag, was bedeutet die zuletzt angesprochene Tatsache nun, und welche Gefahr droht potentiell in solchen Fällen?

Vor dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen ist folgende Interpretation naheliegend: Einige Personen, die besonders gut auf Hypnose reagieren und sich besonders intensiv mit der hypnotischen Rolle identifizieren, glauben, dass sie auch nach Ende der Showhypnose noch auf Trigger reagieren werden. Es muss und wird sich dabei nicht unbedingt um einen abstrakten Glauben handeln, sondern es kann eine Überzeugung sein, die sich in dem Moment manifestiert, in dem das “Subjekt” mit dem Trigger konfrontiert und somit  implizit aufgefordert wird, erneut zu reagieren. Die Identifikation mit einer sozialen Rolle kann sehr mächtig sein, und diese Macht wird oft stark unterschätzt; das gilt auch für die hypnotische Rolle. Hochsuggestible Subjekte, die sich stark mit der Hypnose identifizieren und die, sobald sie mit ihm konfrontiert sind, erwarten, dass der hypnotische Trigger “funktioniert”, werden dann eventuell tatsächlich reagieren.

(Je nach Fall kann es natürlich auch andere Ursachen für ein unerwünschtes Persistieren von Suggestionen geben: So mag ein stark zwanghaft disponiertes Subjekt weiter reagieren, weil es sich sagt, dass der Hypnotiseur die Suggestion nicht  aufgehoben hat; oder jemand mag irrigerweise glauben, dass die fragliche Suggestion in Wahrheit eine PHS sei, die beispielsweise aufgrund eines Experiments zur Auswirkung von Suggestionen im Alltag fortdauern soll. Allerdings sind solche Fälle äußerst rar. Siehe zu diesem Thema insbes. Heap (2000).)

Auch wenn aber die hypnotische Rolle einen starken Anforderungscharakter besitzen kann,  ist der Gehorsam selbst “tief Hypnotisierter” nicht größer als der von Wachen, wenn derselbe soziale Druck und dieselben situativen Anforderungen bestehen. Und, was wichtig ist:  Die “Erwartung” hypnotischer Phänomene reicht für deren Realisierung nicht aus, sondern es bedarf, jedenfalls auf unbewusster Ebene, der Motivation und eines Engagements des Hypnotisierten (siehe “Die Bedeutung der Motivation für die Hypnose“). Die Reaktion auf den hypnotischen Trigger erfolgt also auch in den sehr seltenen Fällen, in denen die sie außerplanmäßig stattfindet, nicht “automatisch”, sondern setzt eine Bereitschaft auf Seiten des Subjekts voraus. Daraus ergibt sich zugleich, dass die entsprechenden Probanden nicht unter allen Umständen auf den Trigger reagieren werden. Um es etwas plastischer zu machen: Wenn ein hochsuggestibles Subjekt vor einem Tiger wegrennt, wird ein zufällig registrierter Re-InduktionsTrigger, der nicht fachgerecht aufgehoben worden war, es nicht stören: Die entsprechende Person wird dennoch weiterrennen. Und uch wenn jemand das Reagieren auf eine (post)hypnotische Suggestion oder auf einen entsprechenden Trigger in Einzelfällen als unangenehm oder peinlich empfinden kann, so muss er doch unbewusst auf irgendeiner Ebene die Entscheidung zur Reaktion treffen und wird dies nicht unter allen Umständen tun.

In Einzelfällen mag es vorkommen, dass ein Proband so schnell und ohne weiteres Nachdenken auf einen Auslöser reagiert, dass er die Konsequenzen nicht überlegt; aber allgemein gilt, dass nicht adäquat zurückgenommene posthypnotische Suggestionen, auch wenn sie in  in seltenen Sonderfällen eher unangenehme oder ärgerliche Konsequenzen haben mögen, sicher kaum schwere Gefahr darstellen. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass die Wirkung der PHS gewöhnlich zeitlich relativ schnell verschwindet, wenn nicht ein besonderer Grund für das Persistieren von Suggestion oder Trigger besteht, was wir bereits weiter oben angesprochen hatten.

Es gilt hier dasselbe wie in anderen Fällen auch: Was auf den ersten Blick als ernsthafte “Gefahr der Hypnose” erscheinen mag, stellt sich bei einer genauen Betrachtung als weit weniger dramatisch heraus (siehe auch Heap, 2000). Selbstverständlich muss der Hypnotiseur aber dennoch technisch sauber arbeiten, um jede Irritation und Unannehmlichkeit zu vermeiden, wozu insbesondere die Rücknahme von Suggestionen gehört, die nicht weiter wirken sollen. Entsprechende  Grundregeln sind jedoch einfach und praktisch allen Hypnotiseuren vertraut, und durch ihre Beachtung lassen sich auch unangenehme Reaktionen effektiv vermeiden. (Weiter unten finden sich einige technische Tipps.)

Und was die potentielle Gefahr angeht, dass posthypnotische Trigger zur “Fernsteuerung” von Menschen genutzt werden, so ergibt sich aus dem bisher – und besonders im vorletzten und letzten Kapitel – Gesagten alles dazu: Insbesondere ist die Tatsache relevant, dass die PHS kein “Implantat” oder “geistiges Virus” darstellt, und dass die Reaktion auf sie (und den Trigger) eine intelligente motivierte Handlung durch das “hypnotische Subjekt” darstellt. Es mag möglich sein, durch posthypnotische Suggestionen und “Trigger” das Verhalten eines Menschen in bestimmter Weise zu “kontrollieren”; aber dann nicht aufgrund einer besonderen hypnotischen Macht, und nur unter denselben psychosozialen Umständen, in denen dies auch ohne Hypnose möglich wäre. Hypnose, posthypnotische Suggestionen und Trigger können die subjektive Wahrnehmung der Kontrolle verändern; offenbar aber nicht den Grad der sozialen Kontrolle selbst (s.u.).

Neue Erkenntnisse haben es oft schwer

Aus den bisherigen Ausführungen wird klar, dass die Theorie der posthypnotischen Suggestion sich innerhalb der letzten Jahrzehnte dramatisch verändert hat. Es konnte durch die Hypnosewissenschaft klar demonstriert werden, dass posthypnotisches Verhalten – wie alles hypnotische Verhalten übrigens – keineswegs “automatisch” ist, sondern in einer ganz wesentlichen Hinsicht als motiviert, intelligent, zielgerichtet, situativ angemessen und sozial ausgerichtet begriffen werden muss und in dieser Hinsicht “normalem” Verhalten entspricht; dies gilt auch und gerade für extrem “tief” hypnotisierte Probanden. (Dass damit nicht im Entferntesten abgestritten werden soll, dass Reflexion und Motivation unbewusst sein können und der Hypnotisierte sein Verhalten als völlig automatisch oder gar zwanghaft erlebt, muss ich nicht mehr eigens betonen.) Die referierten Forschungsergebnisse sind auch deswegen von Bedeutung, weil sie den Mythos wiederlegen, dass man Menschen in willenlose Zombies verwandeln kann, die blind unter der Macht “posthypnotischer Suggestionen” handeln.

Diese neuen und wichtigen Erkenntnisse sind allerdings, so wie andere wesentliche Entdeckungen der Hypnoseforschung auch, der Laien-  und sogar der Hypnose-Öffentlichkeit fast völlig unbekannt geblieben, was verschiedene Gründe haben dürfte. Allgemein wird nahezu ubiquitär noch immer von dem veralteten, automatenhaft-mechanistischen Verständnis der PHS ausgegangen, was u.a. dadurch begründet sein dürfte, dass der Beweis des neuen Modells erst 1987 eindeutig und definitiv gelang (Spanos et. al, 1987). Durch die herrschenden falschen Auffassungen sind Missverständnisse natürlich vorprogrammiert, insbesondere auch, was die Natur der (post)hypnotischen Suggestion und des (post)hypnotischen Triggers betrifft. Nicht nur ist das Grundverständnis von Natur und Charakter der (Post)hypnose inakkurat, sondern auch im konkreten Fall versagt das traditionelle Verständnis oftmals bei der Erklärung, wie wir das an einigen Fallbeispielen gesehen haben.

Es wäre unbedingt notwendig, dass die Lücke zwischen Erkenntnissen der Hypnoseforschung und dem “allgemeinen” Verständnis geschlossen werden. Dabei geht es nicht darum, dass das alte Verständnis eine Vereinfachung einer korrekten Theorie darstellen würde; vielmehr handelt es sich hier um ein falsches Verständnis, das  einem wirklichen Verstehen im Wege steht und dazu führt, dass die eigentliche Essenz der Hypnose in entscheidenden Aspekten unverstanden bleibt und sogar verzerrt wird.

Der posthypnotische Trigger im klinischen Setting

Wenn bisher von “Triggern” die Rede war, dann in erster Linie von “experimentellen” . Unter dem “experimentellen” Auslöser verstehe ich Trigger, wie sie in der experimentellen Hypnose (Hypnoseforschung) und auch der Showhypnose Verwendung finden. Wir haben diese Art von Auslösern weiter oben als Information oder Signal charakterisiert.

Die “klinischen” Trigger sind entsprechend der hier verwendeten Terminologie hingegen jene Auslöser, wie sie vorwiegend im klinischen Setting (inklusive Therapie, Beratung und Coaching) genutzt werden, und auf die wir nun gleich zu sprechen kommen. Tatsächlich bestehen zwischen beiden Formen von Auslösern (experimentell vs. klinisch) nicht nur hinsichtlich ihres Anwendungs-Kontextes, sondern auch hinsichtlich ihrer jeweiligen Natur wichtige Differenzen, was gleich deutlicher werden soll.

Unsere Einteilung stellt genau genommen eine Vereinfachung dar und ist nicht völlig akkurat: Auch Trigger der Form, wie sie meist nur im experimentellen Setting und bei der Showhypnose auftauchen, werden ab und zu im klinischen Setting und zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, wenn auch eher selten. Die Einteilung in “experimentelle” und “klinische” Typen stellt also nur eine Annäherung dar, die von den typischen Fällen ausgeht und ihrer einfachen und einprägsamen Begrifflichkeit willen gewählt wird.

Nun zum “klinischen” Trigger: Innerhalb des therapeutischen Settings wird ein (post)hypnotischer Auslöser gewöhnlich wesentlich anders als bei experimenteller und Showhypnose eingesetzt: Meistens wird er nicht durch einen Hypnotiseur, sondern wissentlich und willentlich durch den Klienten/Patienten selbst ausgelöst, um so eine bestimmte Reaktion herbeizuführen. Die häufigste Verwendung dürfte vermutlich darin bestehen, dass durch den Trigger ein erneuter Trancezustand herbeigeführt werden soll, oder auch, dass ein Zugang zu Ressourcen wie etwa positiven Gefühlen hergestellt oder erleichtert werden soll. Der Klient kann beispielsweise seine Finger aneinander drücken oder ein Codewort (auch im Stillen) aussprechen, um ein Gefühl von Ruhe und Entspannung zu erreichen.

Es ist klar, dass der posthypnotische Auslöser hier eine andere Funktion hat als im experimentellen Setting. Es geht im klinischen Fall ja nicht darum, einen motivierten Probanden darüber zu informieren, dass ein Hypnotiseur nun ein bestimmtes Verhalten wünscht; vielmehr soll der Anker es dem “Subjekt” erleichtern, ein bestimmtes Erleben oder Verhalten zu realisieren, das es selbst wünscht. Der Trigger soll seine Reaktion offenbar also unterstützen.

Des Weiteren soll der “klinische” posthypnotische Trigger in den meisten Fällen nur relativ einfache Reaktionen auslösen: Meist dient er als “Anker” für eine Trance-Re-Induktion, für bestimmte Gefühle oder Zustände oder einfaches Verhalten, wie auch im NLP. Zu einem komplexeren posthypnotischen Verhalten, das ein höheres Maß an Suggestibilität erfordert (z.B. automatischem Schreiben auf einen posthypnotischen Auslöser hin), werden posthypnotische Trigger in einem klinischen Setting gewöhnlich eher selten benutzt. Außerdem ist es beim klinischen Trigger üblicherweise auch nicht erforderlich, dass die Reaktion als besonders “unwillkürlich” erlebt wird, oder dass der Trigger trotz Amnesie funktioniert – Eigenschaften, die bei der experimentellen Hypnose mit genuin hypnotischem Verhalten assoziiert werden. Vielmehr wird der Klient beim klinischen Auslöser den Zielzustand, der durch den Trigger intendiert ist, manchmal auch eher “willentlich” herbeiführen, durch bewusstes “Hineingehen” in die Situation und aktiv-bewusste Konzentration.

Anders als im Fall jener Trigger, die üblicherweise im “experimentellen” Kontext eingesetzt werden, kann beim typischen “klinischen” Auslöser  daher auch bezweifelt werden, ob ein ausgeprägter Zusammenhang zur hypnotischen Suggestibilität besteht (Suggestibilität meint hier die Fähigkeit, typische hypnotische Phänomene zu erleben und wird in der Hypnoseforschung durch Skalen wie HGSHS:A oder SHSS:C gemessen). Allerdings dürften Personen von hoher Suggestibilität schneller für eine intensive Wirkung der Trigger empfänglich sein als “Geringsuggestible”, und die durch den Trigger induzierte Veränderung dürfte vom Subjekt in höherem Maße als “automatisch” erlebt werden.

Demnach dürften “klinische” Anker wohl meist auch eher über die Gesetze des Trainings, der Assoziation und der Konditionierung wirken und weniger durch die Prozesse, die bei einer “experimentellen” posthypnotischen Suggestion relevant sind und zu denen vermutlich insbesondere Dissoziation gehört. (Ausnahmen gibt es natürlich: Es können auch im klinischen Kontext Trigger verwendet werden, die in besonderem Maße mit Suggestibilität und Dissoziation zu tun haben; es könnte etwa, um auf das obige Beispiel zurückzukommen, dem Klient suggeriert werden, dass er auf ein Codewort hin automatisch schreibt.)

Zusammenfassend scheint sich also aus den angestellten Überlegungen klar zu ergeben, dass “experimentelle” und “klinische” Trigger trotz Überschneidungen wesentlich auch auf unterschiedlichen Wirkprinzipien beruhen. Die “experimentellen” posthypnotischen Auslöser sind dabei zweifellos die augenfälligeren und spektakulären, die klinischen die nützlicheren.

Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass Experimente zu diesen Fragen, wenn ich nicht irre, fehlen; meines Wissens wird noch nicht einmal systematisch zwischen “experimentellen” und “klinischen” Triggern unterschieden, und systematische Experimente, die die beiden Typen von Auslösern vergleichen werden, gibt es erst recht nicht. Wir sind hier also auf allgemeine Erfahrungen, Beobachtungen und theoretische Überlegungen angewiesen. Im vorliegenden Fall reicht das nach meiner Überzeugung aber durchaus, um zu begründeten Schlussfolgerungen zu gelangen.

Die Frage ist nun, wie der “typische” klinische Trigger zu verstehen ist, wenn er von seinem experimentellen Gegenpart abweicht. Stellt er den Auslöser einer völlig automatischen Reaktion dar, für eine Art von bedingtem Reflex, der kaum zu kontrollieren ist,  also entsprechend den Typ-1-Triggern aus unserer Einteilung? Auf den “experimentellen” Trigger trifft das keineswegs zu, wie wir gesehen haben, aber vielleicht auf die Mehrheit der “klinischen”? Schließlich wird die Wirkung des “Triggers” ja oft entlang solcher Linien erklärt.

Der klinische Trigger als Beispiel klassischer (bzw. operanter) Konditionierung?

Berühmt sind Iwan Pawlows Experimente mit den Hunden: Nachdem die Vierbeiner stets nach dem Läuten einer Glocke gefüttert worden waren, lief ihnen nach einiger Zeit bereits beim Klang der Glocke sprichwörtlich das Wasser im Munde zusammen, noch bevor das Futter kam. Durch Assoziation wurde der Klang der Glocke, eigentlich ein neutraler Stimulus, also zum bedingten Auslöser für die Sekretion von Speichel. (Einfach ausgedrückt besteht die klassische Konditionierung darin, dass ein neutraler Stimulus mit dem unbedingten Auslöser eines Verhaltens gekoppelt wird, wodurch er nun zum bedingten Auslöser für eben jenes Verhalten wird.)

Betrachten wir aber auch alltäglichere Beispiele der Konditionierung: Jemand hat ein positives Erlebnis, etwa einen schönen Urlaub oder eine “Romanze”,  und nimmt zu jener Zeit einen besonderen und seltenen Duft wahr, oder er hört zum ersten mal ein bestimmtes Lied. So wird nun womöglich eine Assoziation zwischen dem Geruch (resp. Lied) und positiven Gefühlen geschaffen. Später, wenn diese Person denselben Geruch wahrnimmt, tauchen Gefühle und Bilder von damals durch den “Geruchs-Trigger” womöglich wieder auf.

Verhält es sich analog mit dem klinischen posthypnotischen Trigger? Es könnte etwa so funktionieren: Der Hypnotisand erzeugt auf einen bestimmten Auslöser hin einen bestimmten Zustand oder ein Gefühl, etwa von Ruhe und Entspannung. Dadurch kommt es zu einer assoziativen Verbindung zwischen dem Trigger mit Ruhe und Entspannung, und der Trigger löst die gewünschte Reaktion künftig automatisch aus, ähnlich wie ein Duft ein bestimmtes Gefühl aus der Vergangenheit reaktivieren mag.

Gegen so eine Auffassung erheben sich aber sogleich gewichtige Einwände:

So  schleift sich ein solcher Konditionierungs-Effekt unter Alltags-Bedingungen gewöhnlich auch relativ schnell ab (“Exstinktion”). Wenn die betreffende Person einen Geruch, der anfangs als Trigger fungierte, ständig wahrnimmt, hat sie sich alsbald an ihn gewöhnt und reagiert kaum noch und schließlich überhaupt nicht mehr auf ihn. Oder wenn wir uns ein Souvenir aus einem großartigen Urlaub ansehen, so mag es uns anfangs an diesen Urlaub erinnern, so dass wir uns automatisch entspannter fühlen; wenn wir das Souvenir auf unseren Schreibtisch gestellt und 1000 mal gesehen haben, registrieren wir es nicht mehr bewusst, und ein eventueller Folge-Effekt dürfte minimal sein – es sei denn, wir nutzen dieses Souvenir zielstrebig, um uns mental wieder in die Zeit des Urlaubs zurückzuversetzen.

Beim “klinischen” Trigger jedoch soll dauerhaft eine intensive Reaktion erfolgen, die im Lauf der Zeit eher noch stärker und ausgeprägter anstatt schwächer werden soll! Der klin. Auslöser soll also “haltbar” sein.

Dem könnte man entgegenhalten, dass es auch bedingte Reflexe gibt, die dauerhaft eine hohe Wirksamkeit beibehalten. Das Kind, das von einem Hund gebissen wurde, behält vielleicht lebenslang eine Angst vor Hunden. Hier liegt der Fall aber etwas anders: Zum einen ist ein Hund ein wesentlich spezifischerer und “eindrücklicher” Auslöser als beispielsweise ein Code-Wort. Nicht jedes Signal lässt sich gleichermaßen gut zu jeder Art von Konditionieren verwenden. Zum anderen flieht die phobische Person ja gewöhnlich die Bedrohung, so dass eine “Löschung” der bedingten Reaktion (etwa von Angst) gar nicht einsetzen kann. Zudem aber scheint sich eine so starke und stabile Konditionierung, die nicht durch neue Erfahrungen aufrechterhalten wird, auf wenige Fälle und wenige Reaktionen wie etwa Angst zu beschränken. Und Fälle wie die posttraumatische Stresstörung, bei der dauerhaft eine hohe Sensibilität für minimale Reize besteht, stellen eindeutig pathologische Sonderfälle dar. Der “klinische” posthypnotische Trigger kann also schlecht mit phobischen Auslösern oder auch “traumatischen” Triggern verglichen werden.

Weiterhin ist die Reaktion bei einem bedingten Reflex qualitativ und zeitlich nur eingeschränkt vorhersagbar und wenig kontrollierbar. Beispielsweise mögen beim Hören einer Melodie, die uns an ein besonderes Ereignis erinnert, für einige Zeit bestimmte Gefühle entstehen, aber welcher Art diese Gefühle nun genau sind und vor allem, wie lange und intensiv sie andauern, ist nicht unbedingt vorhersehbar.

Beim klinischen Trigger hingegen soll eine qualitativ sehr spezifische Reaktion stattfinden, die zeitlich entsprechend dem Wunsch des Hypnotisierten und den Umständen für eine gewünschte Zeit anhält.

Zudem können (klinische) Trigger so formuliert werden, dass sie sehr selektiv und spezifisch wirksam sind: Beispielsweise kann suggeriert werden, dass ein Codewort keineswegs allein ausreicht, um einen Effekt (wie erneute Trance)  herbeizuführen, sondern dass die Wirkung nur eintritt, wenn der Klient das auch bewusst wünscht.

Bei einem bedingten Reflex im Sinne der klassischen Konditionierung hingegen genügt gewöhnlich die Wahrnehmung des kritischen Stimulus für sich, um die konditionierte Reaktion automatisch auszulösen. Wenn ein Duft aufgrund von Vorerfahrungen ein starkes Gefühl auslöst, so ist das kaum direkt steuerbar (auch wenn der Betreffende dann natürlich reagieren und sich gewöhnlich ablenken kann). Klinische “Trigger” scheinen also sehr viel selektiver und “maßgeschneiderter” angewandt werden zu können als dies bei einer Konditionierung zu erwarten wäre.

Noch wichtiger ist vielleicht dies: Beim klinischen Trigger wird eine Reaktion eigentlich auch nicht versehentlich ausgelöst. Wie auch im Fall des experimentellen posthypnotischen Auslösers genügt es offenbar nicht, dass der Trigger wahrgenommen wird, um eine Antwort zu initiieren, sondern der Klient muss das auch wollen und dazu bereit sein. Wenn beispielsweise eine Berührung an der Schulter einen klinischen Trigger darstellt, durch den jemand sich selbst in einem bestimmten Zustand versetzen kann, und der Klient sich unbedacht an der Schulter kratzt, dann findet gewöhnlich offenbar keine Reaktion statt. Anders verhält es sich mit dem bedingten Reflex, der gewöhnlich ziemlich automatisch und unausweichlich eine spezifische Reaktion herbeiführt, wenn er in Erscheinung tritt. (Gerade im experimentellen Zusammenhang kann es allerdings vorkommen, dass der Hypnotiseur einen Trigger scheinbar oder tatsächlich versehentlich auslöst und der Proband dann reagiert; aber in solchen Fällen erkennt der Proband die Möglichkeit eines informellen und versteckten Tests und entscheidet sich deswegen zur Reaktion. Es handelt sich also auch hier gerade  nicht um ein “automatisches” oder “reflexhaftes” Reagieren. Siehe dazu oben oder den Artikel “Die posthypnotische Suggestion“. )

Auch kann die Reaktion auf den klinischen Trigger nach allgemeinem Zeugnis leicht von vornherein bewusst unterdrückt werden, während das beim bedingten Reflex gewöhnlich nicht so einfach ist. (Selbst in Fällen, in denen ein subjektiver Zwang erlebt wird, was übrigens eher in einem experimentellen Kontext vorkommt, besteht zumindest eine unbewusste Kontrolle und Motivation; siehe erneut oben und den Artikel zur PHS.)

Generell gilt offenbar: Die Reaktion auf den bedingten Reiz bei der Konditionierung (wie etwa den Duft aus dem Urlaub) findet weitestgehend “rein automatisch” und an sich nur sehr eingeschränkt kontrollierbar statt; der klinische Anker hingegen ist ein Werkzeug, das qualitativ und quantitativ kontrollierbar und zielgerichtet einsetzbar sein soll, und dessen Aktivierung den Willen oder zumindest die motivierte Bereitschaft des Subjekts voraussetzt. Die Wirkung des Triggers nimmt auch im Lauf der Zeit gewöhnlich nicht ab, sondern wird oft stärker. Es spricht also viel dafür, dass auch die Reaktion auf den klinischen posthypnotischen Trigger wenig mit dem bedingten Reflex zu tun hat.

Bei der “operanten Konditionierung” (die ich hier nicht von der “instrumentellen” unterscheide) wird, vereinfacht gesprochen, ein Verhalten durch Erfolg oder Misserfolg verstärkt. Wenn beispielsweise jemand durch das Aktivieren eines Triggers immer wieder erfolgreich einen positiven Zustand zu erzeugen vermag, so wird das nach dem Prinzip der operanten Konditionierung die Wahrscheinlichkeit der künftigen Nutzung dieses Triggers erhöhen. Abgesehen von der Frage, wie viel ein solches Konditionierungsprinzip wirklich erklärt, ist offensichtlich, dass es die Wirkung eines bereits funktionierenden posthypnotischen Triggers nur zu verstärken, nicht aber sie zu begründen vermag.

Es lässt sich also zusammenfassend sagen: Auch wenn Konditionierungsprozesse beim klinischen (oder auch experimentellen) Trigger eine Rolle spielen mögen, so doch eher eine untergeordnete. Wie sich aus den obigen Überlegungen und Beispielen ergibt, lässt sich der hypnotische Trigger also keineswegs durch Konditionierung oder andere “automatische” Abläufe (im Sinne der Typ-1-Trigger) hinreichend erklären.

Die Wirkungsweise des klinischen Triggers

Wie aber lässt sich der klin. Trigger dann erklären? Damit ein solcher Auslöser dauerhaft effektiv ist, bedarf es offenbar jeweils des Engagements und einer gezielten “Anstrengung” des Klienten, wobei solche Prozesse auch rein unbewusst ablaufen können. Der Klient schafft sich durch seine Konzentration selbst das gewünschte Erleben, den gewünschten Zustand oder das intendierte Gefühl. Wie aber tut er das? Allein schon, dass er sich bei der Benutzung des Triggers (bewusst oder unbewusst) auf das angestrebte Ziel konzentriert, dass er den Wunsch hat, es zu erreichen, dass er es erwartet, genügt dafür offenbar. Eventuell geht der Klient in das gewünschte  Gefühl oder den intendierten Zustand “hinein”, identifiziert sich damit. Und je leichter es dem Klienten von Natur aus fällt, den anvisierten Zustand zu erreichen, und je geübter er ist, desto eher wird eine einfache Absicht ausreichen, um die angestrebte Wirkung zu erreichen.

So wird nach meiner Ansicht die dauerhafte und oftmals zunehmende Wirksamkeit des typischen klinischen Trigger erklärbar: Der Klient sorgt durch den oft als mühelos erlebten Einsatz seiner kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Motivation und Erwartung dafür, dass er mit der “Aktivierung” des Auslösers das gewünschte Ergebnis erreicht. Hierbei spielt natürlich ein Übungs- oder Trainingseffekt eine wichtige Rolle.

Zum Zweiten entstehen wahrscheinlich tatsächlich Konditionierungsprozesse, wie wir sie oben beschrieben haben, auch wenn sie von untergeordneter Bedeutung sind: Es kommt zu einer Assoziation zwischen Trigger und Zielzustand. Diese wird aufrechterhalten, indem der Klient Trigger und Zielzustand immer wieder durch seine Konzentration erneut und erfolgreich verbindet (klassische Konditionierung). Und der Erfolg macht die Beibehaltung des Verhaltens wahrscheinlicher (operante Konditionierung). Solche Prozesse von Konditionierung und Gewohnheit dürften den Effekt des Triggers sicherlich verstärken und seine erfolgreiche Aktivierung erleichtern, ohne ihn allerdings zu erzwingen.  Denn das “Herzstück” des ganzen Prozesses, durch den ein Trigger wirkt, ist, wie ausgeführt wurde, die immer wieder erneute Konzentration des Klienten auf den gewünschten Effekt und sein Wunsch nach erfolgreicher Aktivierung des Triggers.

Experimentelle vs. klinische Trigger

Ein typischer “klinischer” Trigger geht also wesentlich über einen einfachen bedingten Reflex oder sonst eine automatische Reaktion hinaus und gehört somit schon einmal nicht zu den Triggern des Typs 1 unserer Einteilung, also nicht zu denen, die völlig automatisch und außerhalb der Kontrolle des Subjekts wirksam werden.  Es ist m.E. andererseits  aber nur begrenzt davon auszugehen, dass er in die “dritte” Kategorie der Trigger gehört, also zu jenen Auslösern, die zu einer Reaktion mit größerer exekutiver Kontrolle führen; das Reagieren auf einen “klinischen” Trigger setzt in den meisten Fällen sicher keine besondere Interpretationsleistung voraus, und die Ausführung selbst dürfte gewöhnlich relativ einfach sein und durch Einübung und Wiederholung automatisiert werden. Ein höheres Maß an “Aufmerksamkeit” oder “exekutiver Kontrolle” dürften hier vielleicht am Anfang zu finden sein, später, wenn der Prozess eingeübt und ist, jedoch wahrscheinlich nicht mehr.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der “klinische” posthypnotische Trigger, wenn er “automatisiert” ist, wohl am ehesten in die Kategorie 2 der Trigger (nach unserer Einteilung)  gehört, also zu den “quasi-automatischen” Triggern. Diese lösen Reaktionen und Verhaltensweisen aus, die zwar nur ein geringes Maß an Aufmerksamkeit und exekutiver Beteiligung erfordern, jedoch mit den Absichten der betreffenden Person übereinstimmen und ihrer Kontrolle unterliegen. Oder der “klin. Trigger” rangiert vielleicht irgendwo zwischen Typ 2 und 3, also zwischen den “exekutiven” und den “quasi-automatischen Auslösern” – die Grenzen sind ja ohnehin nicht trennscharf definiert. Wichtig ist jedoch: So oder so aber handelt es sich auch bei der Antwort auf den “klinischen” Trigger um ein motiviertes und durch das Subjekt kontrollierte Verhalten.

Wie könnte man den klinischen Trigger darüber inaus aber nun beschreiben? Aus den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, dass die meisten “klinischen” Anker etwas anderes sind als jene “posthypnotische Auslöser” im engeren Sinne, wie sie bei “experimenteller” und Showhypnose benutzt werden. Wie dargelegt ist beispielweise davon auszugehen, dass der “Suggestibilität” bei dem experimentellen Trigger eine größere Bedeutung zukommt als den klinischen.

Wenn also ein “experimenteller” Trigger in erster Linie einfach eine Information darstellt, oder ein “Signal”, was ist dann ein “klinischer” Trigger? Vielleicht am ehesten so etwas wie der (mögliche)  Auftakt zu einer (eintrainierten) Übung, durch die ein Ziel erreicht wird; und zugleich ein Ritual, das durch seine Symbolik und Gewöhnung unterstützend beim Hervorrufen des erwünschten Effektes wirkt.

Auf alle Fälle gilt demnach also, dass die Reaktion auf die Trigger der Hypnose, egal ob es sich um “experimentelle” oder “klinische” Auslöser handelt, keineswegs irgend ein unkontrollierbar und unwillkürlicher “Reflex” ist, auch wenn der hypnotische Trigger in der Öffentlichkeit meist genau so verstanden wird. Vielmehr stellt die Antwort auf den hypnotischen Trigger eine Handlung dar, die das Ergebnis höherer und willentlicher kognitiver Leitungen ist.

Oft werden die hypnotischen Trigger ja etwa damit verglichen, dass wir, wenn jemand uns die Hand zum Händeschütteln ausstreckt, wir “automatisch” die Hand geben; oder dass wir bei einer roten Ampel “automatisch” anhalten. Diese Beispiele, bei denen es sich um “qausi-automatische” Auslöser des Typus 2 handelt,  scheinen mir, besonders was den “klinischen posthypnotischen Trigger angeht, nicht ganz falsch zu sein, aber auch nicht wirklich gut. Denn in diesen Fällen verhält sich die jeweilige Person, die mit dem Trigger konfrontiert wird, rein reaktiv.  Die Antwort auf den hypnotischen Trigger beinhaltet hingegen gewöhnlich eine aktive Aktion: Beim “experimentellen” posthypnotischen Auslöser ist oftmals eine echte Interpretationsleistung nötig, und anders als beim Händeschütteln ist die Reaktion hier typischerweise nicht eintrainiert und automatisiert. Und da der “klinische” Anker meistens durch die betreffende Person selbst aktiviert wird, ergreift sie hier “proaktiv” die Initiative.

Es sei noch angemerkt, dass das, was wir hier über die “experimentellen” und “typischen” klinischen posthypnotischen Trigger gesagt wurde, aus den analogen Gründen natürlich ebenso für die jeweiligen intrahypnotischen „experimentellen” und “klinischen” Trigger gilt.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang außerdem, dass auch außerhalb der Hypnose (im engeren Sinne) Techniken existieren, die große Ähnlichkeit zum “klinischen” posthypnotischen Auslöser besitzen. Hierzu gehört etwa das “Ankern” im NLP (siehe HIER): So kann beispielsweise der “Anker” etabliert werden, dass der Klient/Anwender bei einer bestimmten Berührung eine besondere Ruhe oder Konzentration erlebt. (Die Unterschiede, die manche NLPler zwischen Triggern und Ankern machen, lasse ich hier mal außer acht: Trigger wären demnach von außen ausgelöste Auslöser, und nur Anker solche, die man selbst aktiviert.)

Auch wenn der Einsatz von “formeller” Hypnose ein das Verfahren zur Etablierung eines Ankers  sicher erleichtern kann, jedenfalls bei vielen Klienten, so sehe ich persönlich keine “prinzipiellen” Unterschiede zwischen dem “typischen” klinischen posthypnotischen Anker, wie wir ihn hier charakterisiert haben, und den Ankern des NLPs und ähnlicher Methoden.

Übrigens werden im klinischen Setting manchmal “natürliche” Trigger bevorzugt, egal ob bei Hypnose oder NLP. Solche Trigger haben die Eigenschaft, dass sie ganz von alleine bereits zum gewünschten Effekt beitragen. Ein “natürlicher” Entspannungstrigger wäre in diesem Sinne beispielsweise die Vorstellung einer beruhigenden Natur-Szene, die dem Klienten hilft, sich gelöst, ruhig und entspannt zu fühlen. Hier wird ein Unterschied zum “experimentellen” Trigger vielleicht deutlicher, und auch, wieso ich den klinischen Trigger als Auftakt zu einer Übung charakterisiert hatte, mit der der Klient sich (bewusst oder eher unbewusst) in einen gewünschten Zielzustand versetzt.

Nun scheint es durchaus so zu sein, dass jemand, der etwas mithilfe eines Triggers leicht und schnell erreichen kann, dasselbe auch ohne Trigger schaffen kann. Wer sich also gut und zuverlässig auf ein Codewort entspannen kann, dem wird das ziemlich wahrscheinlich auch ohne Codewort relativ gut gelingen, einfach durch seine Konzentration. Allerdings dürfte der Trigger den Vorgang erleichtern und außerdem eventuell dem Hypnotisanden ein Gefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit geben. Deswegen haben hypnotische Anker ihren Sinn, ohne dass sie verabsolutiert zu werden bräuchten oder für jeden Klienten unbedingt gleichermaßen geeignet wären.

Einige praktische Hinweise

Die nachfolgenden Tipps beziehen sich auf das Etablieren, Testen und Aufheben von Triggern allgemein – von “klinischen” wie von “experimentellen”- und sollen Erfolg und Sicherheit ihres Einsatzes erhöhen. (Das hier Ausgesprochene ist übrigens recht “basal”.)

Wie gut ein posthypnotischer Trigger zu “installieren” ist (um ein eigentlich unangemessenes Wort zu gebrauchen), hängt nicht nur von  der momentanen Suggestibilität, sondern auch von Faktoren wie Erwartung, Motivation, Akzeptanz, Individualität der Person usw. ab. Dies sollte bedacht werden: Ein persönlicher “Approach” ist einem rein “technischem” vorzuziehen.

Es ist auch sinnvoll, einen neu etablierten Trigger gleich an Ort und Stelle einige male hinter einander zu testen, bis er schnell und erfolgreich funktioniert. Dies dient der Einübung (und Konditionierung).

Sollte es dem Hypnotisanden (insbesondere in einem therapeutischen Zusammenhang) jedoch nicht oder nur mangelhaft gelingen, den Auslöser so zu erleben, dass das Gefühl entsteht, dass der Trigger “automatisch” arbeitet, so ist dies nicht “schlimm”. Vielmehr kann dann das Verfahren wiederholt werden, und das “Subjekt” kann ruhig auch willentlich-bewusst und durch Zuhilfenahme verschiedener Strategien, wie sie auch im NLP verwendet werden, nachhelfen (siehe HIER). Bewusste Aktivität sollte nicht schaden, und oftmals wird dann im Lauf der Zeit zunehmend ein Gefühl von Unwillkürlichkeit auch immer mehr hervortreten. (Anders als oft angenommen können übrigens auch sehr gute hypnotische Subjekte das Reagieren auf Suggestionen als mit Aktivität, bewusster Konzentration und sogar Anstrengung verbunden erleben; vgl. z.B. Comey & Kirsch, 1999; Mallard, 2002).

Eine weitere Möglichkeit, dem Trigger zum Erfolg zu verhelfen, wäre natürlich,  gerade bei der Hypnose, eine  “Vertiefung” (im Sinne der Erhöhung der Suggestibilität). Allerdings reagiert nicht unbedingt jeder gleich schnell auf “Vertiefung”/Training, so dass dieses Vorgehen mitunter nützlich, aber nicht allgemein der Königsweg ist.

Die nachfolgenden Bemerkungen beziehen sich vor allem auf die “klinischen” Trigger, die anders als die “experimentellen” ja gewöhnlich länger wirksam sein sollen. Zu Sicherheitszwecken sollten außerdem die Suggestionen für den Trigger  klar und spezifisch formuliert werden. “Jedes mal, wenn Du das Wort ‘Schlaf’ hörst, gehst Du in Trance”, wäre daher handwerklich eine ziemlich schlechte Suggestion, jedenfalls, wenn sie für eine längere Zeit angelegt ist; schließlich taucht das Wort “Schlaf” doch oft im Alltag auf!

Besser ist ein spezifischerer Auslöser mit einem selteneren Wort, das vielleicht mit einer Berührung kombiniert wird. Zudem kann und soll ruhig ausdrücklich suggeriert werden, dass der Trigger nur dann funktioniert, wenn der Proband den Wunsch hat, durch ihn das intendierte Phänomen (z.B. Entspannung) zu erfahren, und dass der Trigger allein nichts bewirkt. Dieser Punkt sollte betont werden, und dieses Verfahren sei hier empfohlen.

Dabei ist zu bedenken, dass der Klient die Suggestionen nicht zwangsläufig genau wie formuliert umsetzt. Es kann beispielsweise vorkommen, dass Teile der Suggestion aus irgendeinem Grund ignoriert oder nicht verstanden werden, selbst wenn sie perfekt formuliert wurden. Aus diesem Grunde ist es gut, wenn durch Versuche auch bestätigt wird, dass der Trigger nicht versehentlich aktiviert werden kann. So kann – falls Entsprechendes suggeriert wurde -, beispielsweise ausgetestet werden, dass wirklich nichts passiert, wenn nur der Trigger dargeboten wird, der Hypnotisierte aber nicht den Wunsch zur Reaktion. Ein solches Nachprüfen sei hiermit empfohlen.

Sollte eine Suggestion anders als beabsichtigt wirken, kann man in Ruhe und genau erklären, wie man sie gemeint hat, sich vom Probanden durch Wiederholung bestätigen lassen, dass er sie richtig verstanden hat, und sie dann in dieser Weise neu geben. (Wenigstens bei “komplizierteren” Suggestionen empfiehlt sich eine Wiederholung ohnehin.)

Andere Maßnahmen, die sinnvoll sein können, um sicher zu gehen, dass Suggestionen richtig verstanden werden, bestehen darin, dass sie erklärt oder wiederholt werden (am besten mit ähnlichen, aber verschiedenen Formulierungen); oder dass das Subjekt gebeten wird, wichtige Punkt zu wiederholen; oder dass ihm Fragen zu den kritischen Punkten gestellt werden, aus deren Beantwortung sich sein Verständnis beurteilen lässt. Man beachte dazu bitte, dass der Hypnotisierte, und zwar auch das “tief hypnotisierte” gute “Subjekt”, nicht weniger intelligent oder  verständig ist als der “Wache”. Gleichzeitig kann es aber ebenso eine Kommunikation missverstehen oder Teile vergessen wie dieser.

Verfahren, wie sie hier beschrieben wurden und vielleicht etwas aufwendig klingen, lassen sich in der Praxis aber gewöhnlich recht schnell und unkompliziert umsetzen. Sie müssen auch keineswegs alle zusammen angewandt werden. Der Normalfall ist, dass der Hypnotisierte eine klar formulierte Suggestion versteht und entsprechend reagiert, jedenfalls wenn er das kann und will; der Hypnotiseur sollte eben sicher stellen, dass es so ist.

Meine hauptsächliche Empfehlung neben der klaren Formulierung wäre, dass ein Trigger, der über die Hypnose-Sitzung hinaus wirksam sein soll, mit dem ausdrücklichen Vorbehalt “gesetzt” wird, dass der Proband/Klient seine Aktivierung wollen muss, damit er wirkt; und dass das entsprechend getestet wird.

Das Auflösen von Triggern, ob experimentell oder klinisch,  ist prinzipiell gesehen sehr einfach, denn das Reagieren auf den Trigger setzt, wie wir gesehen hatten, eine zielgerichtete und willentliche Aktion seitens des “Subjekts” voraus, ob sie bewusster Natur ist oder nicht.

Dementsprechend kann man beispielsweise einfach sagen, dass der zu bezeichnende Trigger aufgehoben sein soll und eventuell hinzufügen, dass der Hypnotisierte künftig, wenn er den kritischen Stimulus registriert, nicht mehr wie bisher automatisch auf ihn reagieren wird (siehe auch “Hypnotische und posthypnotische Suggestionen zurücknehmen”). Normalerweise reicht eine einfache Formulierung, aber es sollte klar und deutlich vermittelt werden, dass der Auslöser aufgehoben ist. (Selbst suboptimale Formulierungen zur Aufhebung einer Suggestion werden in aller Regel aufgrund der Offensichtlichkeit des Intendierten wie gewünscht wirken; man sollte natürlich dennoch klar formulieren.) Zur Sicherheit ist zu empfehlen, dass man austestet, dass der Trigger wirklich nicht mehr funktioniert, besonders wenn man noch keine größeren Erfahrungen mit der Versuchsperson hat und ihre Reaktion nicht zuverlässig einschätzen kann. Sollte eine Aufhebung aus irgendeinem Grund einmal nicht gleich funktionieren, so besteht kein Grund zur Beunruhigung. Der Hypnotiseur wird dann ruhig bleiben und den Auslöser ausführlich und nachdrücklich erneut aufheben.

Natürlich kann ein Hypnotisierter eigentlich auch selbst einen Trigger auflösen, aber er ist sich dessen vielleicht nicht immer bewusst. Lassen sie mich dazu zwei Beispiele aus meiner persönlichen Erfahrung anführen, die jeweils gewissermaßen ein Extremum auf einer virtuellen Skala verkörpern:

Eine weibliche Probanden von mir – nennen wir sie Stefanie – ging von vornherein sehr selbstbewusst an die Hypnose heran; vielleicht auch, weil sie bereits Vorerfahrung mit selbsthypnoseähnlichen Phänomenen hatte, die sie aktiv kontrollieren konnte. Sie ist eine hervorragende Versuchsperson, aber sie erlebt Hypnose nicht als “zwanghaft”. Wenn sie es will, ignoriert sie Trigger einfach oder bricht eine Suggestion ab.

Ein anderer Proband, nennen wir ihn mal Tobias, ist ebenfalls exzellent, und ich habe über einen längeren Zeitraum immer wieder Versuche mit ihm unternommen. Anfangs erlebte er hypnotische Suggestionen als ziemlich zwanghaft, ohne eigene Kontrolle (obwohl ich das keineswegs gefördert habe! Mit der Zeit und zunehmendem Training wurde übrigens zwar seine Fähigkeit, schwierige hypnotische Phänomene zu erzeugen noch ausgeprägter, aber ihm wurde auch mit großer Erfahrung zunehmend klar, dass er eigentlich selbst die Kontrolle über das Geschehen ausübt, und dass er beispielsweise einen Trigger auch selbst durch seinen Entschluss aufheben kann.)

Diese Beispiele stellen nun jeweils gewissermaßen (ziemliche) Extrema dar, was ihr Erleben von “Kontrolle” angeht, und nach meiner Erfahrung liegen viele Versuchspersonen dazwischen. Die Beobachtungen, dass manche sehr gute Hypnotisanden von Anfang an auch “bewusst” das Geschehen beherrschen, und dass “erfahrene” Subjekte im Lauf der Zeit zwar eher noch suggestibler, zugleich aber auch “autonomer” werden, entspricht übrigens auch der Erfahrung anderer Hypnotiseure. (Wir werden weiter unten noch einige wichtige Anmerkungen zum Erleben von Unwillkürlichkeit und “Kontrollverlust” machen.)

Die weiter oben anempfohlenen Hinweise und Ratschläge für die Sicherheit wären demnach eigentlich nicht für alle Probanden gleichermaßen notwendig, insbesondere nicht für den “eigenständigen” Hypnotisanden. Sie sind aber dennoch sinnvoll, weil einige Hypnotisierte sich mit der hypnotischen Rolle und mit dem in ihr potentiell enthaltenen Kontrollverlust identifizieren, und das unter Umständen so stark, dass es ihnen nicht immer leicht fällt, sich von ihr zu lösen. Zudem kann der Hypnotisierte die Absicht des Hypnotiseurs missverstehen. (Zum ungewollten persistieren von Suggestionen siehe oben.) Um jede mögliche Unannehmlichkeit oder Irritation zu vermeiden, sollten daher allgemein bestimmte Regeln beachtet werden, wie ich sie in diesem Kapitel vorgestellt habe. Und unter Verweis auf die obigen Erörterungen zur potentiellen “Gefährlichkeit” von Triggern soll noch hinzugefügt werden, dass beim Umgang mit (post)hypnotischen Suggestionen und Triggern zwar Grund zur Sorgfalt, nicht aber zur Sorge besteht.

Beseitigung “natürlicher” rein “automatischer” Trigger

Wir hatten gesagt, dass es sehr einfach ist, posthypnotische Trigger zu löschen, und das gilt für alle Trigger, für experimentelle wie für klinische. Denn Ihre Wirkung setzt, wie wir gesagt hatten, eine aktive (unbewusste) Mitwirkung voraus und geschieht nicht schlechthin automatisch im strikten Sinne. Daher unterstehen sie natürlich der Kontrolle durch das Subjekt, wenigstens der unbewussten.

Nun existieren aber auch non-hypnotische alltägliche und pathologische “Trigger”, die bestimmte kaum kontrollierbare Reaktionen automatisch und ohne Absicht auslösen (Typ 1 nach unserer Einteilung). Ein Beispiel für den pathologischen Fall kann eine Spinne sein, die bei Phobikern ein Gefühl der Angst auslöst, oder, im Extremfall, selbst minimale Stimuli, die bei einer Person mit posttraumatischer Belastungsstörung ein Flashback verursachen.

Es liegt auf der Hand, dass solche “Trigger” zu ihrer Aktivierung – anders als die hypnotischen – nicht die Motivation und das aktive Engagement der entsprechenden Person voraussetzen, und dass sie auch nicht ihrer Kontrolle unterliegen. Daher sind sie, im Gegensatz zu den posthypnotischen Auslösern,  auch nicht immer einfach zu beseitigen. In einigen Fällen ist eine regelrechte Therapie nötig (wobei Hypnose dann natürlich eine wertvolle Therapie oder Therapieergänzung sein kann).

Andere Auslöser, die zu harmloseren Unannehmlichkeiten führen,  stellen naturgemäß ein viel kleineres Problem dar. Sollte ein ungünstiger “völlig automatisch” wirksamer Trigger bestehen, so genügen zu seiner Beseitigung offenbar in vielen Fällen Techniken zur Selbstanwendung, wie sie auch im NLP und anderen Verfahren angewandt werden. (Dabei können solche Techniken natürlich auch durch formelle Hypnose verstärkt und ergänzt werden; für entsprechende NLP-Techniken siehe etwa HIER.)

Diese Fragen sind hier nicht unser Thema, sollten aber der Vollständigkeit wegen angeschnitten sein.  Es zeigt sich hier übrigens noch einmal, weswegen es sinnvoll ist, auf die Unterscheidung bestimmter “Typen” von Triggern Wert zu legen, und dass die im ersten Teil des Artikels durchgeführten Differenzierungen nicht überflüssig waren.

“Unwillkürlichkeit” vs. “Kontrollverlust”

Es gibt einige Hypnotiseure, die glauben, dass ein “richtiger” posthypnotischer Trigger (selbst im klinischen Setting) mit einen absoluten und unwiderstehlichen Zwang einhergehen müsse, und dass er andernfalls gar kein wirklicher und wirkungsvoller Auslöser sei. Selbst wenn der Klient das Reagieren auf den Auslöser sogar durchaus als “automatisch” erlebt, aber dabei das Gefühl hat, dass der Prozess von seiner willentlichen Zustimmung abhängt, ist das einigen Hypnotiseuren bereits “zu wenig”. Diese Auffassung ist nicht nur falsch, sondern auch kontraproduktiv.

Nun ist es tatsächlich so, dass das “genuin” hypnotische Reagieren auf einen Trigger mit einem Gefühl einer gewissen Automatizität oder zumindest Mühelosigkeit verbunden ist. Das ist auch sinnvoll, schon weil dieses besondere Erleben vermutlich die psychische Aufnahmefähigkeit und die Erwartungshaltung positiv beeinflusst.  (Wie jedoch bereits oben erwähnt, geht es auch ohne das Gefühl des Automatischen, und dieses wird sich bei Übung ohnehin wahrscheinlich einstellen.) Unabhängig vom Gefühl der “Mühelosigkeit” und dem Eindruck, dass etwas “von alleine geschieht”, kann das Subjekt aber natürlich weiterhin das volle Bewusstsein besitzen, dass es die volle Kontrolle behält und das mühelose Reagieren von seiner Zustimmung abhängt!

Gefühl des Kontrollverlustes, der Hilflosigkeit oder des übermächtigen Zwanges sind etwas ganz anderes als der Eindruck von Mühelosigkeit oder Unwillkürlichkeit, und sie sind keineswegs anzustreben. Zwar kann der Hypnotisierte genau so ein Gefühl des Kontrollverlustes entwickeln, doch hat die Hypnoseforschung überzeugend gezeigt, dass dieses Gefühl in gewissem Sinne eine Illusion darstellt. Beispielsweise zeigen sich (tief) Hypnotisierte bei ihnen unangenehmen Befehlen objektiv nicht gehorsamer als “Wache”, auch wenn sie stärker das Gefühl des Zwanges und des Kontrollverlustes entwickeln können (vgl. z.B. Calverley & Barber, zitiert in Barber (1969), Coe, Kobayashi & Howard, 1973;  Levitt, Aronoff, Morgan, Overley & Parrish, 1975; Orne & Evans, 1965; Wagstaff, 1999, 2008; siehe auch den Artikel “Hypnose-Verbrechen“.)

Und speziell was den posthypnotischen Auslöser angeht,  so hatten wir ja bereits ausführlich weiter oben begründet, weshalb er keine zwanghafte oder “automatische” Reaktion im eigentlichen Sinne beinhaltet, auch wenn es so erlebt werden kann, sondern tatsächlich auf Motivation beruht.

Weiterhin konnte aber auch demonstriert werden, dass noch nicht einmal auch nur das Gefühl des Zwanges notwendig für gutes hypnotisches Reagieren ist. Tief Hypnotisierte können auch ganz ohne das Gefühl des Kontrollverlustes sehr gut auf Suggestionen reagieren, in dem Bewusstsein das Geschehen kontrollieren zu können; dabei hängt das Erleben ganz wesentlich auch von den Vorgaben des Hypnotiseurs ab. Wird vermittelt, dass gute Subjekte Suggestionen widerstehen können und die Kontrolle über ihre Aktionen so können sie das auch und haben das Gefühl, die Kontrolle zu behalten (z.B. Spanos, Cobb & Gorassini, 1985; siehe auch Lynn, Kirsch & Hallquist, 2012). Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, dass Hypnotisierte die Kontrolle über sich behalten, sondern darum, dass sie das auch auf “bewusster Ebene” so erleben.

Es dürfte auf der Hand liegen, dass die Vermittlung genau dieses Wissens um die erhaltene Selbstkontrolle wie auch des Gefühls der erhaltenen Selbstkontrolle allgemein angezeigt ist, und ganz besonders natürlich in einem therapeutischen Setting. Diese Erkenntnis ist übrigens nicht neu, sondern wurde bereits von einigen Pionieren der medizinischen Hypnose wie Bramwell vertreten.

Nun gibt es zu jeder Regel Ausnahmen, und es mag ab und zu einen Sonder-Fall geben, bei dem es gerechtfertigt sein mag, dass beim Hypnotisierten wenigstens zeitweise ein Gefühl des Kontrollverlusts erhalten bleibt; hier dürfte es sich jedoch um seltene Ausnahmen handeln. Im Allgemeinen jedenfalls ist es völlig überflüssig und sicher auch in vielen Fällen kontraproduktiv, dem Klienten ein Erleben der “Hilflosigkeit” einzusuggerieren, wobei auch das Vorgespräch und die Art, wie der Hypnotiseur agiert, suggestiv sind. Auch noch auf Gefühlen der Hilflosigkeit und des Kontrollverlusts beim Klienten zu bestehen, erscheint mir als so unnötig wie ein Kropf; das bietet keinen Vorteil, sehr wahrscheinlich oftmals Nachteile  und ist vor dem Hintergrund hypnosewissenschaftlicher Erkenntnis auch sachlich unangemessen. Hypnotische Trigger können nützlich sein; aber der Hypnotisierte kann dabei bequem das (objektiv zutreffende) Gefühl behalten, dass er selbst den Trigger kontrolliert, und nicht der Trigger ihn, und das wird seine Eigendynamik und sein Zutrauen zu sich selbst fördern.

Zum Abschluss soll noch Amanda Barnier (1998) zitiert werden, die viel mit posthypnotischen Suggestionen geforscht hat und unterstreicht, dass das Reagieren nicht nur die aktive Leistung  des Subjekts selbst ist, sondern trotz der Unwillkürlichkeit und “Zwanghaftigkeit” paradoxerweise oft sogar auch als Ergebnis aktiver Entscheidung erlebt wird – und hier haben wir es wohlgemerkt sogar mit der “experimentellen” PHS zu tun, die eher “dramatisch” erfahren wird als die klinische:

“Es besteht hier ein Paradoxon: Die Subjekte sagen, dass sie entscheiden, wie sie reagieren, und dennoch beschreiben sie ihre Antwort als zwanghaft und mühelos. Anders gesagt erschaffen sie eine überzeugende Erfahrung für sich selbst.  Die Tatsache, dass sie das so erfolgreich tun können, hebt ihre speziellen individuellen Fähigkeiten hervor. Posthypnotisches Reagieren beruht keineswegs auf der Macht des Hypnotiseurs, sondern vielmehr hat alles mit dem Talent der hypnotisierten Person zu tun.”

Resümee

Ausgehend von den Erkenntnissen der modernen Hypnoseforschung wurde die posthypnotische Suggestion untersucht. Dies wurde ausführlicher getan, um allgemeinen Missverständnissen eine sachgerechte, moderne Sichtweise entgegenzusetzen. Es hat sich dabei gezeigt, dass posthypnotisches Verhalten zwar oft als unwillkürlich oder gar als komplett zwanghaft erlebt werden kann, insbesondere durch “gute” hypnotische Probanden, dass damit jedoch nur die subjektiv-phänomenologische Ebene des Erlebens beschrieben ist. Eine Analyse des objektiven Verhaltens zeigt hingegen, dass (post)hypnotisches Verhalten wesentlich durch Intelligenz und Motivation bestimmt wird. Somit gilt insbesondere auch, dass posthypnotische Aufträge keine “geistigen Viren” sind, die sich gewissermaßen selbst umsetzen, sondern Ideen, die der Hypnotisierte in seiner Eigenschaft als individuelle Person realisiert. Dabei vollbringt er oft eine viel größere geistige Leistung als ihm selbst bewusst ist.

Um die Natur der (post)hypnotischen Trigger besser zu verstehen, wurden außerdem in einer groben Einteilung  drei allgemeine Typen von “Triggern” (also auch solche außerhalb der Hypnose) unterschieden: Die, die völlig automatisch wirken und sich der Kontrolle entziehen (Typ 1) ; die, die quasi-automatisch wirksam sind und wenig Aufmerksamkeit beanspruchen, aber in der ausgelösten Reaktion kontrollierbar sind (2); und zuletzt “exekutive” Auslöser, die eigentlich vor allem der Information dienen, da das fragliche Verhalten gerade nicht automatisch abläuft, auch nicht in einem weiteren oder schwächeren Sinne (Typ 3).

Die Bedeutung der hypnosewissenschaftlichen Erkenntnisse zur posthypnotischen Suggestion speziell für den posthypnotischen Trigger wurde herausgestellt, und anhand konkreter Fallbeispiele wurde zu demonstrieren versucht, dass das “moderne” Verständnis von PHS und hypnotischem Trigger eine deutlich überlegene Erklärungskraft gegenüber älteren Modellvorstellungen besitzt. Alsdann wurde anhand der neueren Perspektive die potentielle “Gefährlichkeit” von Triggern diskutiert und es stellte sich heraus, dass diese weit geringer und weniger dramatisch ist, als dies entsprechend den überkommenen Auffassungen von der Natur des (post)hypnotischen Verhaltens womöglich zu erwarten wäre.

Es wurde weiterhin die Auffassung vertreten, dass der “experimentelle” Auslöser oftmals ein “exekutiver” Trigger im Sinne von Typ 3 ist, während der typische “klinische” Trigger vielleicht eher in die quasi-automatische (also zweite) Kategorie fällt, oder irgendwo “zwischen” Typ 2 und 3 rangiert. (Viele “alltägliche” und pathologische  Trigger hingegen gehören zum Typ 1: Sie lösen völlig unbeabsichtigt und ohne Kontrolle durch das Subjekt eine Reaktion aus.)

Schließlich haben wir einige technische Fragen zum Etablieren und Auflösen von Triggern beleuchtet, und zuletzt wurde herausgestellt, dass das erfolgreiche Reagieren auf Hypnose (inkl. hypnotische Trigger) keinesfalls mit einem Gefühl des Kontrollverlustes einhergehen muss.

Unterscheidungen, wie wir sie in diesem Artikel getroffen haben, mögen zu einer höheren Komplexität führen, sind für ein angemessenes Verständnis der Sache aber m.E. dennoch essentiell. Notwendige Unterscheidungen werden in der Hypnose meines Dafürhaltens ohnehin zu selten vorgenommen. Das gilt z.B. besonders für die Unterscheidung zwischen der posthypnotischen Suggestion im engeren Sinne, bei der ganz konkret Aufträge erteilt werden, und der PHS im weiteren Sinne, die aus relativ allgemeinen Affirmationen besteht (siehe dazu ganz oben). Gerade solche wichtigen Differenzen werden oft außer acht gelassen, selbst in der hypnosewissenschaftlichen Literatur, auch wenn es positive Ausnahmen gibt (z.B. Heap 2011; Heap & Aravind, 2002).

Ein großes Problem besteht auch in der fehlende Differenzierung zwischen der hypnotischer Suggestibilität, wie sie in der experimentellen Hypnoseforschung gemessen wird, und der Effektivität hypnotherapeutischer Verfahren; dieses Versäumnis führt dann leicht zu Missverständnissen und Kurzschlüssen. Es ist nämlich offenbar so, dass (auch) bei der Hypnotherapie viele Wirkkomponenten mit allgemeinen Faktoren wie Entspannung, Rapport, Erwartung usw. zu tun haben, und mit Techniken, die nicht rein hypnotisch im engen Sinne sind  (wie z.B. verdeckte Konditionierung, Modellernen, Verstärkung, Desensibilisierung etc; vgl. Heap, 2011; Heap & Aravind, 2002).

Damit soll keineswegs abgestritten werden, dass Hypnose eine wirkungsvolle Behandlungsmethode sein kann, oder oft auch die Effektivität anderer Therapien (wie z.B. Verhaltenstherapie) bedeutend zu erhöhen vermag; und dies manchmal selbst noch bei höchstwahrscheinlich simplem und deutlich suboptimalem Einsatz. Und allein schon  der Name “Hypnose” kann eine kraftvolle Wirkung einer Therapie haben. (Zur therapeutischen Effektivität der Hypnose siehe etwa Mendoza & Capafons, 2009; Robertson, 2010).

Der Umstand jedoch, dass der Erfolg therapeutischer Hypnose höchstens untergeordnet mit hypnotischer Suggestibilität zusammenhängt, ist gerade im Hinblick auf potentielle Patienten und Klienten von Bedeutung. Wird dieser Sachverhalt übersehen, so wird oft der empirisch ungerechtfertigte Schluss gezogen, dass Hypnotherapie nur für Personen geeignet sei, die mindestens  mittlere Werte auf Suggestibilitätsskalen erreichen, nicht aber für “Geringsuggestible”. Dies dann umso mehr, als offenbar nicht alle “Geringsuggestiblen” mit vertretbarem Zeitaufwand erfolgreich in ihrer Suggestibilität trainiert werden können. Gegen solch einen Ausschluss “Geringsuggestibler” steht aber das Faktum, dass selbst Personen, die auf typischen Hypnose-Skalen minimale Werte erreichen, sehr wohl von therapeutischer Hypnose profitieren können, in einigen Fällen sogar in beeindruckender und dramatischer Weise (siehe z.B. Orne, 1961).

Eine weitere unerfreuliche Folge fehlender begrifflich-konzeptioneller Differenzierung in einem ganz anderen Zusammenhang besteht, wenn ich das noch erwähnen darf, übrigens in der Tatsache, dass oftmals “hypnotische Suggestibilität” mit “Alltagssuggestibilität” im Sinne von Manipulierbarkeit, Gehorsam oder Leichtgläubigkeit gleichgesetzt wird, und das, obwohl solche Vorstellungen eigentlich längst wiederlegt sind.

Literatur

Man beachte auch die bereits verlinkten Artikel zur posthypnotischen Suggestion. Soweit online verfügbar, werde ich die nun aufzuführenden Quellen für Interessierte verlinken. Von den online verfügbaren Artikeln würde ich dem ambitionierten Leser insbesondere die Arbeiten von Barnier (1998, 1999) und von Tobis & Kihlstrom (2010) zur Lektüre anempfehlen.

Barber, T.X. Barber(1969). “Hypnosis: A scientific approach”, New York: Van Nostrand.

Barnier, Amanda (1998). “Hypnosis and Posthypnotic Suggestions“, Australian Broadcasting Corporation.

Barnier, Amanda (1999). “Posthypnotic suggestion: “Attention, awareness, and automaticity“, Sleep & Hypnosis, 1, 57–63.

Barnier, A. J., & McConkey, K. M. (1998a). “Posthypnotic responding away from the hypnotic setting”, Psychological Science, 9, 256–262.

Barnier, A.J. & McConkey, K.M. (1998b). “Posthypnotic responding: knowing when to stop helps to keep it going”, International Journal of Clinical & Experimental Hypnosis, 46 (2), 204-219.

Barnier, A. J., & McConkey, K. M. (1998c). “Post-hypnotic suggestion, amnesia, and hypnotisability”, Australian Journal of Clinical & Experimental Hypnosis, 26, 10–18.

Barnier, A. J., & McConkey, K. M. (1999a). “Hypnotic and posthypnotic suggestion: Finding meaning in the message of the hypnotist”, International Journal of Clinical & Experimental Hypnosis, 47, 192–208.

Barnier, A. J., & McConkey, K. M. (1999b). “Posthypnotic suggestion, response complexity, and amnesia”, Australian Journal of Psychology, 51, 1–5.

Barnier, A. J., & McConkey, K. M. (2001). “Posthypnotic responding: The relevance of suggestion and test congruence”, International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 49, 207–219.

Coe, W. C., Kobayashi, K., & Howard, M. L. (1973). “Experimental and ethical problems of evaluating the influence of hypnosis in antisocial conduct”,  Journal of Abnormal Psychology, 82, 476-482.

Comey, G. & Kirsch, I. (1999). “Intentional and spontaneous imagery in hypnosis: the phenomenology of hypnotic responding”, International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 47, 1, Pp. 65-85.

Damaser, E., Whitehouse, W. G., Orne, M. T., Orne, E. C., & Dinges, D. F. (2010). “Behavioral persistence in carrying out a posthypnotic suggestion beyond the hypnotic context: A consideration of the role of perceived demand“,  International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 58, 1–20.

Duncan, B., Perry, C. (1977). “Uncanceled hypnotic suggestions: Initial studies”, American Journal of Clinical Hypnosis, 19, 166-176.

Erickson, M. H. (1939/1989). “Experimental demonstrations of the psychopathology of everyday life”, in: Rossi, L. (Hrsg.): The Collected Papers of Milton H. Erickson on Hypnosis. Vol. III. Hypnotic Investigations of Psychodynamic Processes (pp. 190-102). New Yourk: Irvington.

Fisher, S. (1954). “The role of expectancy in the performance of posthypnotic behavior”, Journal of Abnormal & Social Psychology, 49, 503–507.

Greif, S. (2000). “Neuropsychologische Aspekte des selbstgesteuerten Lernens (Teil I)”, Forschungsbericht Band 5, Lernen Organisiert Selbstgesteuert Forschungsgruppe, Universität Bremen

Heap, M. (2000). „The alleged dangers of stage hypnosis“,  Contemporary Hypnosis, 17, 117-126.

Heap, Michael (2011): “Does Clinical Hypnosis have to do anything to do with Experimental Hypnosis“, The Jornal of Mind-Body Regulation, vol.1, iss. 1, S. 17-30

Heap, Michael & Aravind, Kottiattyl (2002). “Suggestion, posthypnotic suggestion and ego-strengthening in therapy“, in: Hartland’s Medical and Dental Hypnosis, Ch. 11 (pp. 121 -134),  4. Ausgabe,  London: Harcourt

Hilgard, E.R. (1986). “A Study in Hypnosis“, Psychology Today, Jan.

Kihlstrom, J.F. (2007). “Conciousness in Hypnosis”, in Zelazo, P., Moscovitsch, M. & Thompson, E. (Eds.) The Camebbridge Handbook of Conciousness, Camebridge University Press (pp. 454-481).

Levitt, E. E., Aronoff, G., Morgan, C. D., Overley, T. M., & Parrish, M. J. (1975): “Testing the coercive power of hypnosis: Committing objectionable acts” International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 23, 59-67.

Lynn S. J., Kirsch I & Hallquist M.N. (2012). “Social cognitive theories of hypnosis.” In: Nash M. & Barnier A. (Hrsg): The Oxford Handbook of Hypnosis.  S. 111-140.

Mallard, D. (2002). “Resolving Conflict in Hypnosis”, Doctoral Dissertation, School of Psychology, University of New South Wales.

Mendoza, M. E. & Capafons, A. (2009). “Efficiacy of Clinical Hypnosis: A Summary of its Empirical Evidence“, Papeles del Psicólogo, vol. 30(2), pp. 98-116 (englischsprachige Version).

Nace, E. P., & Orne, M. T. (1970). “Fate of an uncompleted posthypnotic suggestion“, Journal of Abnormal Psychology, vol. 75, pp. 278-286

Orne, M.T. (1962).  “Antisocial Behavior and Hypnosis: Problems of Control and Validation in Empirical Studies“,  in Estabrooks G.H. (Ed.), Hypnosis: Current problems. New York: Harper & Row, Pp.137-192.

Orne, M.T. (1966). “Hypnosis, motivation and compliance“, American Journal of Psychiatry, 122, 721- 726.

Orne, M.T. (1970). “Hypnosis, motivation and the ecological validity of the psychological experiment.” In W. J. Arnold & M. M. Page (Eds.), Nebraska symposium on motivation. Lincoln: University of Nebraska Press, Pp.187-265.

Orne, M. T., & Evans, F. J. (1965). “Social control in the psychological experiment: Antisocial behavior and hypnosis“, Journal of Personality and Social Psychology, 1, 189-200.

Orne, M. T., Sheehan, P. W., & Evans, F. J. (1968). “Occurrence of posthypnotic behavior outside the experimental setting“, Journal of Personality & Social Psychology, 9, 189–196.

Perry, C. (1977a). “Uncancelled hypnotic suggestions: The effects of hypnotic depth and hypnotic skill on their posthypnotic persistence”, Journal of Abnormal Psychology, 86 (5), 570-574.

Perry, C. (1997b). “Variables influencing the posthypnotic persistence of an uncancelled hypnotic suggestion”, Annals of the New York Academy of Sciences, 296, pp. 264-273.

Robertson, D. (2010). “Hypnotherapy versus CBT: October Research Snippet“, Blogeintrag vom 27.9. 2010

Sheehan, P. W. (1971). “Countering preconceptions about hypnosis: An objective index of involvement with the hypnotist”, Journal of Abnormal Psychology, 78, 299–322.

Sheehan, P.W. (1980).”Factors influencing rapport in hypnosis”, Journal of Abnormal Psychology, Vol 89(2), Apr., 263-281.

Spanos, N. P., Cobb, P. C., & Gorassini, D. R. (1985). “Failing to resist hypnotic test suggestions: A strategy for self-presenting as deeply hypnotized”, Psychiatry, 48, 282–292.

Spanos, N. P., Menary, E., Brett, P. J., Cross, W., & Ahmed, Q. (1987). “Failure of posthypnotic responding to occur outside the experimental setting”, Journal of Abnormal
Psychology, 96, 52–57.

St. Jean, R. (1978). “Posthypnotic behavior as a function of experimental surveillance”,
American Journal of Clinical Hypnosis, 20, 250–255.

Tobis I.P. & Kihlstrom J.F. (2010). “Allocation of Attentional Resources in Posthypnotic Suggestion“, International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 58 (4), 367-382.

Wagstaff, G. F. (1999). “Forensic hypnosis”, In I. Kirsch, A. Capafons, E. Cardena-Buela, & S. Amigo (Eds.), Clinical hypnosis and self-regulation therapy: A cognitive-behavioral perspective (277-310). Washington, DC: American Psychological Association.

Wagstaff, G.F. (2008). “Hypnosis and the Law: Examining the Stereotypes“, Criminal Justice and Behavior,  35 (10), 1277-1294.

White, Robert W. (1941): “A preface to a theory of hypnotism”, Journal of Abnormal and Social Psychology 36: 477–505.

Zuber, T.(o.J.). “Trauma/PTBS“, Blogeintrag

Advertisements
This entry was posted in Uncategorized and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Der posthypnotische Trigger im experimentellen und klinischen Setting

  1. Gil P. says:

    Es freut mich eine Website zu sehen, die Wissenschaftlich fundiert ans Thema Hypnose herangeht. Alle Beiträge sind überaus informativ und ihnen ist leicht zu folgen.
    Er gibt sicher vereinzelt Stellen , an denen ich nicht ihrer Ansicht übereinstimme, aber alle Argumente werden logisch , oder anhand von Beispielen belegt. (im Gegensatz zu vergleichbaren Seiten, meist mit esoterischem Beigeschmack)

  2. escatan says:

    Vielen Dank für die Blumen. 😉

    “…vereinzelt Stellen , an denen ich nicht ihrer Ansicht übereinstimme…”
    Konstruktive Kritik ist keine Pflicht, aber willkommen ist sie natürlich immer.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s